Buche und Douglasie als Sieger: Wie Forstbetriebe Biodiversität und Wirtschaftlichkeit vereinen können
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Einleitung: Das Dilemma der mitteleuropäischen Forstwirtschaft

Die mitteleuropäische Forstwirtschaft steht in einem tiefgreifenden Zielkonflikt: Einerseits verlangen Biodiversitätsschutz und Klimaanpassung eine stärkere Mischung heimischer Baumarten, andererseits liefern solche Mischbestände in der Regel geringere wirtschaftliche Erträge als Reinbestände aus ökonomisch überlegenen Nadelhölzern. Diese Spannung zwischen ökologischen und ökonomischen Zielen ist nicht neu, aber ihre Quantifizierung blieb bisher schwierig. Forstbetriebe brauchen Zahlen, um zu entscheiden, wie viel Biodiversität „kostet“ – und wo Kompromisse mit den geringsten Verlusten möglich sind.

Eine neue Studie unter Leitung von Jürgen Klenke und seinem Team vom Institut für Forstliche Biometrie und Informatik der Universität Freiburg liefert nun erstmals eine robuste quantitative Antwort auf diese Frage für die mitteldeutschen Mischwälder mit Buche als Leitart. Die Arbeit wurde 2026 im renommierten skandinavischen Umweltjournal Ambio veröffentlicht und ist unmittelbar relevant für Forstbetriebe in ganz Mitteleuropa, die Buche-Tanne-Fichte- oder Buche-Douglasie-Mischwälder bewirtschaften.

So wurde geforscht

Das Forschungsteam verwendete empirische Daten aus mitteldeutschen Wäldern zur wirtschaftlichen Leistung (Bodenrente/Annuität) und zur Biodiversität (Artenreichtum) von fünf verschiedenen Waldtaxa: Gefäßpflanzen, Moose, Flechten, Pilze und Vögel. Diese Kombination erfasst die Biodiversität auf mehreren trophischen Ebenen und liefert ein realistisches Bild der ökologischen Komplexität, nicht nur ein einseitiges Maß wie „Artenzahl pro Hektar“.

Auf der wirtschaftlichen Seite wurde die Bodenrente – also der durchschnittliche jährliche Reinertrag pro Hektar – für verschiedene Bestandestypen berechnet. Untersucht wurden Reinbestände aus Buche, Fichte und Douglasie sowie Mischbestände aus Buche-Fichte und Buche-Douglasie. Anschließend wendete das Team eine multikriterielle Optimierungsmethode an (Pareto-Optimierung), um zu bestimmen, welche Bestandestypen-Kombinationen unter steigenden Biodiversitätszielen optimal sind. Die Methode berücksichtigt explizit die Unsicherheit sowohl in den ökonomischen als auch in den Biodiversitätsindikatoren – ein methodisch wichtiger Aspekt, weil beide Seiten mit erheblichen Datenunsicherheiten behaftet sind.

Die wichtigsten Ergebnisse

Das erste Kernergebnis: Die Bestandestypen-Portfolios wurden mit steigenden Biodiversitätszielen deutlich vielfältiger. Wer mehr Biodiversität will, muss auch die strukturelle Vielfalt der Bestände erhöhen – reine Wirtschaftswälder aus einer einzigen Baumart sind mit hohen Biodiversitätszielen schlicht nicht vereinbar. Diese Aussage ist für die Forstplanung unmittelbar relevant, weil sie zeigt, dass Biodiversitätsförderung nicht „kostenlos“ durch kleine Beimischungen erreicht werden kann.

Das zweite und wohl praktisch wichtigste Ergebnis: Biodiversitäts-ökonomische Trade-offs lassen sich deutlich reduzieren, wenn Douglasie in das Portfolio aufgenommen wird – sowohl in Reinbeständen als auch in Mischung mit Buche. Die Douglasie, eine in Mitteleuropa nicht-einheimische aber seit Langem eingeführte Baumart, schneidet in der Kombination aus Wirtschaftlichkeit und Beiträgen zur Biodiversität deutlich besser ab als die Fichte. Konkret bedeutet das: Wer Biodiversitätsziele ohne übermäßige wirtschaftliche Einbußen erreichen will, sollte eher auf Douglasien-führende Bestandestypen setzen als auf Fichten-Mischbestände.

Das dritte Ergebnis – und es ist die ernüchternde Seite der Analyse: Eine Steigerung der Biodiversität ist in keinem Fall ohne wirtschaftliche Verluste möglich. Die Optimierung zeigte, dass selbst die günstigsten Portfolios unter hohen Biodiversitätszielen signifikante Einbußen bei der Bodenrente aufweisen. Die Autorinnen und Autoren leiten daraus eine klare Forstpolitik-Empfehlung ab: Wenn die Gesellschaft tatsächlich mehr Biodiversität in den Wäldern will, muss sie auch die wirtschaftlichen Verluste der Forstbetriebe über Finanzierungsinstrumente ausgleichen – etwa über staatliche Biodiversitätsprämien, Honorierung von Ökosystemleistungen oder ähnliche Modelle.

Das vierte Ergebnis betrifft die Reichweite der Erkenntnisse: Die Studie wurde zwar für mitteldeutsche Buchenwälder durchgeführt, die strukturellen Aussagen lassen sich aber auf vergleichbare Mischwälder in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz übertragen. Insbesondere die Erkenntnis, dass Douglasien-Beimischung Biodiversitätsziele deutlich günstiger erreichbar macht als Fichten-Mischung, ist für die gesamte DACH-Region relevant.

Was das für die Praxis bedeutet

Für die forstliche Praxis folgt aus der Studie zunächst einmal eine Bestätigung mit präzisen Zahlen: Wer Buche als standörtlich geeignete Baumart hat und gleichzeitig auf wirtschaftliche Erträge angewiesen ist, kann mit Douglasien-Mischbeständen das beste Verhältnis aus beiden Zielgrößen erreichen. In der konkreten waldbaulichen Umsetzung bedeutet das, dass Douglasien-Beimischungen in Buchenwäldern – sei es truppweise, gruppenweise oder in Horstgrößen – einen doppelten Nutzen erfüllen: Sie liefern einen wirtschaftlich relevanten Holzertrag und sie schonen die Biodiversitätsressourcen im Vergleich zu reinen Fichten-Mischungen.

Für Forstbetriebe, die aktuell ihre Bestände in Richtung klimatoleranter Mischwälder umbauen, liefert die Studie eine quantitative Entscheidungshilfe: Die Douglasie, obwohl nicht einheimisch, ist unter Biodiversitäts-Wirtschaftlichkeits-Gesichtspunkten die beste Ergänzung zur Buche – besser als die einheimische Fichte, die in vielen Mischungen aus wirtschaftlicher Sicht ebenfalls vielversprechend erscheint, aber unter Biodiversitätsaspekten schlechter abschneidet. Diese Differenzierung ist forstpolitisch nicht trivial, weil sie dem verbreiteten Narrativ „nur einheimische Baumarten sind ökologisch wertvoll“ widerspricht.

Für forstliche Planung und Forsteinrichtung liefert die Studie methodische Werkzeuge: Die multikriterielle Optimierung mit expliziter Berücksichtigung von Unsicherheiten ist ein Ansatz, der in der Praxis noch zu wenig genutzt wird. Forsteinrichtungen könnten künftig solche Optimierungen als Entscheidungsgrundlage nutzen, um die Konsequenzen verschiedener Baumartenmischungen auf Biodiversität und Wirtschaftlichkeit darzustellen.

Was das für die Praxis bedeutet – Vertiefung

Auf politischer Ebene stützt die Studie die Forderung nach finanzieller Honorierung von Biodiversitätsleistungen sehr konkret: Wenn die Forstbetriebe die Kosten der Biodiversitätsförderung tragen sollen, ohne dass es einen Ausgleich gibt, werden sie diese Leistungen nicht erbringen können. Die Studie liefert damit eine wissenschaftlich fundierte Begründung für die Diskussion um Waldprämien, Vertragsnaturschutz-Modelle und die Honorierung von Ökosystemleistungen – drei Instrumente, die in Deutschland und Österreich derzeit intensiv diskutiert werden.

Auf der Ebene der forstlichen Ausbildung und Beratung zeigt die Studie zudem, dass eine reine Förderung der „Naturnähe“ (also die Bevorzugung rein einheimischer Baumartenmischungen) nicht automatisch zu optimalen Biodiversitäts- und Wirtschaftlichkeitsergebnissen führt. Beratungsorganisationen und Forstbehörden sollten ihre Empfehlungen entsprechend anpassen und differenzierter kommunizieren, dass auch nicht-einheimische Baumarten wie die Douglasie einen Platz in zukunftsfähigen Mischwäldern haben können.

Limitations & offene Fragen

Die Studie verwendet Daten aus mitteldeutschen Wäldern – die Übertragbarkeit auf andere Standortbedingungen (subalpine Lagen, trockene Standorte im Regenschatten, sehr arme Sandböden) ist nicht ohne weiteres gegeben. Insbesondere die Douglasien-Leistung hängt stark von der Wasserversorgung ab; auf sommertrockenen Standorten könnte sie deutlich geringer ausfallen als in den mitteldeutschen Untersuchungsgebieten. Zudem betrachtet die Studie nur fünf Taxa – andere relevante Gruppen wie Bodenfauna, xylobionte Käfer oder Fledermäuse wurden nicht erfasst. Ein nächster Forschungsschritt könnte darin bestehen, die Analyse auf weitere Regionen und zusätzliche Biodiversitätsindikatoren auszudehnen, um die Generalisierbarkeit zu prüfen. Die hier vorgestellten Ergebnisse stehen im Einklang mit neueren Erkenntnissen zur quantitativen Bewertung von Biodiversitäts-Wirtschaftlichkeits-Trade-offs in europäischen Wäldern und liefern einen wichtigen methodischen Baustein für die Versachlichung der oft emotional geführten Debatte um den „richtigen“ Wald.


Quelle: Klenke J, von Groß V, Fuchs JM, Topanotti LR, Wildermuth B, Rivera Pérez CA (2026). Balancing biodiversity and economics: Using robust Pareto-optimisation to quantify ecological-economic trade-offs in German mixed beech forests. Ambio. DOI: 10.1007/s13280-026-02441-8


Dieser Artikel wurde mit Hilfe von KI erstellt und dient der allgemeinen Information. Keine Rechts- oder Beratungsempfehlung.