
Einleitung: Warum diese Frage relevant ist
Die südeuropäische Waldbrand-Saison 2025 hat neue Dimensionen erreicht: In Portugal, Spanien, Italien und Griechenland brannten Flächen, die die bestehende Löschinfrastruktur an ihre Grenzen brachten. Für Deutschland und Mitteleuropa ist diese Entwicklung kein fernes Randthema mehr, denn die meteorologischen Treiber — Hitzewellen, ausbleibender Niederschlag, anhaltende Trockenheit — wirken zunehmend auch in den DACH-Raum hinein. Die Studie von Feron und Kollegen, erschienen im Juli 2026 in Scientific Reports, fragt daher genau zum richtigen Zeitpunkt: Wie hat sich die Feuersaison in Südeuropa in den letzten vier Jahrzehnten tatsächlich verändert, und welche klimatischen Muster treiben diese Entwicklung?
Was die Arbeit von früheren Analysen unterscheidet, ist die Kombination aus nationalen Brandstatistiken, modernen Reanalyse-Datensätzen und großskaligen Klimaindizes über einen Zeitraum von 1981 bis 2025. Damit lassen sich sowohl langfristige Trends als auch jährliche Schwankungen sauber voneinander trennen — ein methodischer Ansatz, der in dieser Form für Südeuropa bisher fehlte.
So wurde geforscht
Das Forschungsteam um Erstautorin Sarah Feron analysierte Branddaten aus fünf südeuropäischen Ländern (Iberische Halbinsel, Frankreich, Italien, Griechenland) und kombinierte sie mit dem ECMWF-ERA5-Reanalyse-Datensatz, der tägliche Wettervariablen auf etwa 25 km Raster liefert. Aus diesen Daten berechneten die Forschenden den kanadischen Fire-Weather-Index (FWI) sowie dessen Komponenten — ein standardisiertes Maß für die meteorologische Brandbereitschaft, das weltweit in der Waldbrandforschung verwendet wird.
Parallel dazu werteten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den North-Atlantic-Oscillation-Index (NAO) und den El-Niño-Southern-Oscillation-Index (ENSO) aus, um großskalige Klimamuster mit den jährlichen Schwankungen der Brandgefahr in Verbindung zu bringen. Insgesamt umfasst die Analyse 44 Jahre (1981–2025) und damit auch den Rekordsommer 2025. Die statistische Auswertung nutzte lineare Regressionsmodelle sowie Trendanalysen auf Basis des Mann-Kendall-Tests.
Die wichtigsten Ergebnisse
1. Extreme Feuertage haben sich mehr als verdoppelt. In weiten Teilen der Iberischen Halbinsel, Südfrankreichs, Italiens und Griechenlands ist die Zahl der Sommertage mit extrem feuerförderlichen Bedingungen zwischen 1981 und 2025 um mehr als 100 Prozent gestiegen. Das bedeutet konkret: Regionen, in denen früher vielleicht an drei oder vier Tagen pro Jahr extremes Feuerwetter herrschte, erleben heute sieben bis zehn solcher Tage — Tendenz weiter steigend.
2. Die Veränderung ist klimatisch getrieben, nicht nur brennstoffbedingt. Die Studie zeigt, dass die beobachtete Intensivierung konsistent mit den großräumigen Trends bei Temperatur und Niederschlag verläuft. Die Sommermittel der 2-Meter-Temperatur sind im Untersuchungsgebiet im Mittel um 1,3 °C gestiegen, während die Niederschlagssumme in den entscheidenden Vorsommermonaten April bis Juni um 8 bis 15 Prozent zurückgegangen ist. Beide Faktoren wirken direkt auf die Austrocknung der bodennahen Vegetationsschicht.
3. NAO und ENSO steuern die jährlichen Schwankungen. Eine negative Phase des NAO-Indexes und El-Niño-Bedingungen gehen jeweils mit erhöhter sommerlicher Brandgefahr in Südeuropa einher. Die Korrelationen sind signifikant, aber moderat (r ≈ 0,3 bis 0,45), sodass die Autoren die Indizes als Orientierungswerkzeug für saisonale Brandrisiko-Prognosen vorschlagen — nicht als alleinige Vorhersage, sondern als Frühindikator.
4. Die räumliche Verteilung ist heterogen. Besonders betroffen sind das spanische und portugiesische Hinterland, die Mittelmeerküsten Italiens sowie Teile des Peloponnes. In den Alpenregionen und im nördlichen Balkan zeigt sich ebenfalls ein klarer Aufwärtstrend, während die britischen Inseln und Mitteleuropa nördlich der Alpen in dieser Analyse kaum erfasst wurden — die Autoren schließen daraus, dass eine Ausweitung der Methodik auf den DACH-Raum dringend nötig ist.
5. Die Rekordsaison 2025 passt in den Trend, ist aber kein Ausreißer. Die extreme Feuersaison 2025 mit ihren verheerenden Bränden in Portugal und Spanien folgt dem statistisch erwarteten Muster einer langfristigen Intensivierung. Das macht das Ergebnis politisch und planerisch so wichtig: Es handelt sich nicht um ein einmaliges Ereignis, sondern um die neue Normalität.
Was das für die Praxis bedeutet
Für Forstbetriebe und Waldbesitzende in Mitteleuropa hat die Studie drei unmittelbare Konsequenzen. Erstens: Die Planung von Waldbrand-Vorsorge muss vom Denkmodell „alle zehn Jahre ein Großereignis“ auf ein Modell „alle zwei bis drei Sommer mit extremen Bedingungen“ umgestellt werden. Zweitens: Saisonale Brandrisiko-Prognosen auf Basis von NAO- und ENSO-Indizes können in die eigene Einsatzplanung integriert werden — ähnlich wie heute schon Phänologiekalender für die Waldpflege genutzt werden. Drittens: Die Beobachtung, dass sich die Brandbedingungen in den Alpenregionen verschärfen, unterstreicht die Notwendigkeit, auch in den deutschen Mittelgebirgen die Löschwasservorhaltung, die Waldbrand-Früherkennung und die präventive Bestandespflege (Reduktion von Brennstoff durch Laub- und Nadelstreu, lichtere Bestandesstruktur) konsequent weiterzuentwickeln.
Vertiefung: Was die Daten zu den Klimaindizes konkret bedeuten
Die Korrelation mit NAO und ENSO verdient einen genaueren Blick, weil sie für die mitteleuropäische Forstpraxis überraschend relevant ist. Wenn in den Wintermonaten Dezember bis Februar ein negativer NAO-Index vorliegt, ist die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass der darauf folgende Sommer in West- und Mitteleuropa trockener und heißer ausfällt als im Durchschnitt. Die portugiesischen und spanischen Forschungsgruppen haben in den vergangenen Jahren wiederholt gezeigt, dass Jahre mit negativer NAO-Phase mit überdurchschnittlich verbrannter Fläche in der Iberischen Halbinsel korrelieren. Die vorliegende Studie bestätigt diesen Befund für den gesamten südeuropäischen Raum und schlägt vor, den NAO-Index als Frühindikator in die saisonale Einsatzplanung einzubeziehen.
Für die Praxis bedeutet das: Wer in einer Forstbehörde, einem Forstbetrieb oder einer kommunalen Feuerwehr für die Waldbrandvorsorge verantwortlich ist, kann ab Spätherbst die NAO-Prognose des NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) beobachten und bei negativer Phase frühzeitig erhöhte Wachsamkeit einplanen. Die ENSO-Komponente ergänzt dieses Bild — El-Niño-Phasen wirken sich in Südwesteuropa tendenziell brandverschärfend aus, während La-Niña-Phasen teilweise mit höherem Niederschlag im Frühjahr einhergehen. Zusammengenommen ergibt sich ein zweistufiges Frühwarnsystem, das mit heute verfügbaren offenen Datenquellen und ohne Spezialsoftware genutzt werden kann.
Eine weitere praxisrelevante Beobachtung der Studie betrifft die Vorlaufzeit zwischen Klimaanomalien und Brandmaxima. In vielen untersuchten Regionen Südeuropas folgten die extremsten Feuertage typischerweise mit einem bis drei Monaten Verzögerung auf die negativen NAO-Phasen — das gibt Zeit für vorbereitende Maßnahmen wie die Räumung von Brennstoffen entlang von Bestandesrändern, die Schulung von Löschtrupps und die Vorhaltung von Löschwasser in Rückhaltebecken. Für deutsche Forstämter und untere Forstbehörden, die mit knappen Ressourcen arbeiten müssen, ist eine datengestützte Priorisierung der Vorsorgemaßnahmen ein erheblicher operativer Vorteil.
Limitations & offene Fragen
Die Analyse konzentriert sich auf Südeuropa und die meteorologische Brandbereitschaft — die tatsächlich verbrannte Fläche hängt zusätzlich von Vegetation, Topographie und Bekämpfungskapazitäten ab. Zudem nutzt die Arbeit den kanadischen FWI, der für boreale Bedingungen kalibriert wurde; mediterrane Vegetation reagiert teils anders. Eine offene Forschungsfrage ist, wie sich die Ergebnisse auf den DACH-Raum übertragen lassen — hier besteht akuter Bedarf an vergleichbaren Studien für Deutschland, Österreich und die Schweiz.
Die hier vorgestellten Ergebnisse stehen im Einklang mit bzw. ergänzen neuere Erkenntnisse aus dem IPCC-Report zur mediterranen Klimazone und bestätigen Befunde portugiesischer und spanischer Forschungsgruppen zur Veränderung des Feuerklimas. Die Stärke der aktuellen Studie liegt in der einheitlichen Methodik über fünf Länder und 44 Jahre — ein Datensatz, der in dieser Konsistenz für die Region bisher fehlte.
Quelle: Feron S, Cordero RR, Damiani A, Schulz K, Wang C et al. (2026). Major intensification of fire weather across southern Europe in recent decades. Scientific Reports. DOI: 10.1038/s41598-026-61756-4
Dieser Artikel wurde mit Hilfe von KI erstellt und dient der allgemeinen Information. Keine Rechts- oder Beratungsempfehlung.