Buchen trotzen der Dürre: Reproduktion der Rotbuche bleibt in europäischen Hitzesommern stabil
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Einleitung: Warum diese Frage für den Wald entscheidend ist

Wenn in den Medien über die Auswirkungen des Klimawandels auf Europas Wälder berichtet wird, dominieren meist Bilder absterbender Bäume, Borkenkäfer-Kalamitäten und flächiger Kronenverlichtung. Weniger sichtbar, aber für die langfristige Zukunft eines Waldes ebenso entscheidend, ist die Frage, ob sich die Verjüngung eines Bestandes unter wiederkehrender Trockenheit überhaupt noch aufrechterhalten lässt. Die Naturverjüngung über Samenproduktion ist ein demographischer Eckpfeilern jedes Waldökosystems: Reduziert sich die Reproduktion dauerhaft, kippt ein Wald langfristig in eine andere Pflanzengemeinschaft, selbst wenn die Altbäume noch einige Jahrzehnte durchhalten. Vor diesem Hintergrund hat ein internationales Forschungsteam in einer aktuellen PNAS-Studie die Frage adressiert, ob die europäische Rotbuche (Fagus sylvatica) – die wichtigste Laubbaumart Mitteleuropas – unter den extremen Hitzesommern 2003, 2018 und 2022 Einbußen bei der Samenproduktion hinnehmen musste. Die Antwort überrascht: Die Reproduktion der Buche zeigt sich gegenüber Sommertrockenheit erstaunlich robust – gleichzeitig wächst aber die Mortalität der Altbäume, sodass sich demographische Verschiebungen im Wald andeuten, die über reine Wachstumseinbrüche hinausgehen.

So wurde geforscht

Die Studie wertete 221 Zeitreihen zur jährlichen Samenproduktion der Rotbuche aus, die über ganz Europa verteilt sind – von Spanien über Frankreich, Deutschland und Polen bis nach Südschweden und ins Baltikum. Diese Datenbasis erlaubte es den Forschenden, drei Phasen der Buchenvermehrung separat zu analysieren: die Blühphase, die Bestäubung und die Samenreifung. Zusätzlich suchten sie nach sogenannten Legacy-Effekten, also nachwirkenden Effekten eines Trockenjahres auf die Reproduktion des Folgejahres. Rekonstruiert wurden die meteorologischen Bedingungen mithilfe des standardisierten Niederschlags-Dampfdruck-Index (SPEI), der die klimatische Wasserbilanz abbildet und die Schwere von Dürreperioden quantifiziert.

Statistisch wurden gemischte Modelle verwendet, die sowohl fixe Effekte der Trockenheit in den unterschiedlichen Phasen als auch zufällige Effekte der Standorte und der individuellen Zeitreihen berücksichtigen. Ein besonderes Augenmerk lag auf den drei extremen europäischen Hitzesommern 2003, 2018 und 2022 – wobei 2018 in Mitteleuropa und 2022 im westlichen Mittelmeerraum die schlimmsten Dürren seit Beginn der Wetteraufzeichnungen brachten. Wo die klimatischen Daten verfügbar waren, wurden die trockensten 10 Prozent der jeweils untersuchten Standorte herausgegriffen, um gezielt zu prüfen, ob die Reproduktion auch dort noch funktionierte.

Die wichtigsten Ergebnisse

Erstens: Sommertrockenheit reduzierte die Samenproduktion nicht. Anders als oft befürchtet, zeigen die 221 Zeitreihen keinen statistisch signifikanten negativen Effekt von Sommertrockenheit auf den Samenertrag. Im Gegenteil: An trockenen Standorten war die Reproduktion tendenziell sogar leicht erhöht. Die Autorinnen und Autoren interpretieren dies als mögliche Folge besserer Pollenverbreitung unter trockenen, windigen Bedingungen während der Blütephase – ein Effekt, der in der forstlichen Praxis bislang unterschätzt wurde.

Zweitens: Trockene Frühjahre steigerten den Samenertrag. Ein zweiter, unerwarteter Befund: Trockenheit im Frühjahr – also während der Blüte und Bestäubung – war mit einer signifikant erhöhten Samenproduktion verbunden. Auch hier wird der besseren Pollenverteilung die entscheidende Rolle zugeschrieben. Die Buche ist ein Windbestäuber, deren Pollen in feuchten Bedingungen verklumpt und schlechter transportiert wird; trockene Witterung im Frühjahr ist demnach klimatisch gesehen eher vorteilhaft.

Drittens: Keine Legacy-Effekte. Die Sorge, dass ein trockenes Jahr die Reproduktion im Folgejahr über verminderte Ressourcenreserven oder geschädigte Knospenanlagen beeinträchtigen könnte, ließ sich in den Daten nicht bestätigen. Mastjahre und Nicht-Mastjahre verteilten sich unabhängig von vorausgegangenen Dürren – die Buchen passten ihre Investition in Blütenknospen offensichtlich nicht chronisch herunter.

Viertens: Robustheit auch an den trockensten Standorten. An den 10 Prozent trockensten Untersuchungsstandorten – inklusive Regionen, die 2003, 2018 und 2022 außergewöhnliche Hitzesommer erlebten – war die Samenproduktion nicht reduziert. Die Reproduktion der Buche erwies sich als bemerkenswert resistent gegen die drei jüngsten europäischen Dürre-Extreme.

Fünftens: Widerspruch zu Wachstums- und Mortalitätsdaten. Die Studie ordnet ihre Befunde explizit in den Kontext früherer Arbeiten ein: ANDere Studien belegen, dass Trockenheit das Höhenwachstum der Buche um bis zu 30 Prozent reduzieren und die Mortalitätsrate signifikant erhöhen kann. Vitalitätsraten reagieren also in gegensätzliche Richtungen auf denselben Stressor – Vermehrung bleibt stabil, während Wachstum und Überleben leiden. Das ist neu und zentral für die waldbauliche Interpretation.

Was das für die Praxis bedeutet

Für die waldbauliche Praxis bedeutet dies zunächst eine gewisse Entwarnung: Die Sorge, dass sich die Rotbuche unter zunehmender Sommertrockenheit nicht mehr natürlich verjüngen könnte, findet in den Daten keine Stütze. Insbesondere die Eichen- und Buchenwälder der mitteleuropäischen Mittelgebirge und des Tieflandes dürften ihren Reproduktions-Puffer vorerst behalten – vorausgesetzt, die adulten Bäume überleben die Phasen erhöhter Mortalität. Waldbaulich relevant ist die Beobachtung, dass trockene Frühjahre die Reproduktion sogar fördern können – ein Hinweis darauf, dass die in der Forstpraxis verbreitete Mahnung, in trockenen Jahren auf Naturverjüngung zu setzen, möglicherweise zu pessimistisch ist.

Andererseits darf die gute Nachricht nicht darüber hinwegtäuschen, dass die demographische Gesamtbilanz kritisch bleiben kann. Wenn ein Baum nicht mehr wächst und mit erhöhter Wahrscheinlichkeit abstirbt, dafür aber seine Reproduktion stabilisiert, kommt es zu einer Verschiebung der Altersstruktur: Junge Bäume kommen nach, alte sterben schneller – die Altersklassenverteilung verändert sich, das Totholzaufkommen steigt, die Waldstruktur dynamisiert sich. Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer sollten sich darauf einstellen, dass die kommenden Jahrzehnte in Buchen- und Buchenmischwäldern stärker von Störungsdynamik geprägt sein werden, als dies in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts der Fall war.

Konkret bedeutet das: Die bisherige Verjüngungspraxis – Pflanzung von Buchen nach flächigen Schadereignissen, ergänzt durch Naturverjüngung auf geeigneten Flächen – bleibt sinnvoll, sollte aber stärker als bisher mit Risikopuffer-Konzepten kombiniert werden. Mischwälder mit eingestreuten, an Trockenheit besser angepassten Baumarten (Traubeneiche, Hainbuche, Winterlinde, in tieferen Lagen auch Tanne) können die Resilienz erhöhen, ohne die Buche als Hauptbaumart aufzugeben. Die Naturverjüngung der Buche wird vermutlich auch in Zeiten des Klimawandels regelmäßig funktionieren – die Frage ist, ob die Mutterbäume diese Verjüngung noch erleben.

Limitations und offene Fragen

Die Studie fokussiert sich auf die Quantität der Samenproduktion; ob die Qualität der Samen (Keimfähigkeit, genetische Vielfalt, Fitness der Sämlinge) unter Trockenheit leidet, bleibt eine offene Frage. Auch die Wechselwirkung mit späteren Sommertrockenphasen, die mehrere Jahre hintereinander auftreten, ist noch nicht abschließend geklärt – die analysierten Zeitreihen enthalten zwar die Dürre-Jahre 2003, 2018 und 2022, aber keine noch längeren Extremphasen. Schließlich stammen die Daten überwiegend aus Beständen des europäischen Verbreitungsschwerpunkts; an der südlichen Verbreitungsgrenze Spaniens, Italiens und des Balkans könnten die Befunde anders aussehen. Die Autorinnen und Autoren betonen, dass die gute Reproduktions-Resilienz die wachsenden Risiken bei Wachstum und Mortalität nicht aufhebt, sondern ergänzt – die demographische Gesamtbilanz bleibe angespannt. Der nächste Forschungsschritt dürfte darin bestehen, langfristige Datensätze mit mehreren aufeinanderfolgenden Dürre-Jahren zu integrieren, um die Reproduktion unter sogenannten Multi-Dürre-Bedingungen zu untersuchen.

Quelle

European beech reproduction is not reduced by drought, including the 2003, 2018, and 2022 extremes.
Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS), 2026.
DOI: 10.1073/pnas.2607167123


Dieser Artikel wurde mit Hilfe von KI erstellt und dient der allgemeinen Information. Keine Rechts- oder Beratungsempfehlung.