Dürre-geplagter Wald in Oregon

Wälder unter Druck: Wie Klimawandel und Trockenheit das Baumsterben in Amerika vorantreiben

In den Wäldern West-Oregons, wo sonst satte Grün-töne das Landschaftsbild dominieren, zeichnet sich ein alarmierender Trend ab. Eine aktuelle Studie, veröffentlicht im Fachblatt *Agricultural and Forest Meteorology*, dokumentiert über einen Zeitraum von 23 Jahren (2000–2023) einen deutlichen Anstieg der Baumsterblichkeit in Douglas-fir-dominierten Wäldern. Die Ursache: steigende Temperaturen und eine messbare Abnahme der Bodenfeuchtigkeit. Was die Forscher dabei besonders beunruhigt: Selbst Bäume, die unter idealen Bedingungen als widerstandsfähig gelten, sterben zunehmend ab, wenn die Sommer heißer und trockener werden.

Besonders betroffen waren mittlere Höhenlagen westlich der Kaskadenkette, wo die Austrocknung der Böden im Sommer besonders ausgeprägt war. Dort stieg die jährliche Sterbewahrscheinlichkeit besonders stark an. Die Studienautoren vermuten, dass diese Höhenlage eine Art Schwellenbereich darstellt, in dem die Auswirkungen des Klimawandels besonders stark durchschlagen. Kleinere Bäume in unterdrückten Wuchspositionen litten dabei stärker als große, dominante Bäume. Der Grund: unterdrückte Bäume haben weniger Blattfläche und damit weniger Photosynthese-Leistung, um sich von Stressperioden zu erholen.

Doch auch große, alte Douglas-firen zeigten vermehrt Schäden durch Insektenbefall — eine typische Sekundärfolge von Trockenstress. Wenn Bäume geschwächt sind, können sie sich nicht mehr ausreichend gegen holzbohrende Insekten wie Borkenkäfer wehren. Der Befall beschleunigt das Absterben zusätzlich. Zwischen 2000 und 2023 stieg die jährliche Sterbewahrscheinlichkeit für alle untersuchten Baumgruppen messbar an. Dieser Anstieg korreliert direkt mit der Abnahme der Sommer-Bodenfeuchtigkeit und der Zunahme der Lufttemperatur. Besonders auffällig: Der Effekt war an trockeneren Standorten stärker ausgeprägt. Die langfristige Bodenaustrocknung durch anhaltende Erwärmung scheint die zugrundeliegende Ursache zu sein.

Die Mechanismen, die in Oregon beobachtet wurden, sind nicht auf Nordamerika beschränkt. Auch in deutschen Wäldern haben Trockenjahre und steigende Temperaturen bereits zu erhöhtem Baumsterben geführt — besonders nach den Dürrejahren 2018 bis 2020. Waldschäden in dieser Größenordnung hat Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg nicht erlebt. Die Situation in West-Oregon ähnelt der in vielen europäischen Mittelgebirgen: ehemals feuchte Wälder, die zunehmend unter Wasserstress geraten.

Für Waldbesitzer und Forstwirte zeigt die Studie, wie entscheidend es ist, Trockenheitstoleranz in die Bestandesplanung einzubeziehen. Mischbestände mit klimaresistenten Baumarten, ausreichende Pflege und gegebenenfalls die Entnahme gefährdeter Bäume vor dem Absterben können helfen, Verluste zu reduzieren. Die Studie liefert damit wichtige Erkenntnisse für eine vorausschauende Waldwirtschaft — auch hierzulande. Wer heute handelt, kann die Wälder von morgen widerstandsfähiger machen.

**Quelle**: Agricultural and Forest Meteorology, September 2025
**Link**: https://doi.org/10.1016/j.agrformet.2025.110681