Bauminjektion als Waffe gegen den Buchdrucker

Bauminjektion als Waffe gegen den Buchdrucker

Der Klimawandel hat den Wald in Mitteleuropa in eine Krisenregion verwandelt. Wo einst stabile Fichtenwälder standen, flammen heute verheerende Borkenkäferkalamitäten auf, die ganze Landstriche verwüsten. Allein in den Jahren 2018 bis 2022 wurden in Deutschland über 500.000 Hektar Wald durch den Buchdrucker (Ips typographus) geschädigt – eine Fläche größer als das Saarland. Der Borkenkäfer, der sich in der Rinde von Fichten explosionsartig vermehrt, profitiert enorm von der Kombination aus Trockenheit und Stürmen, die geschwächte Bäume hinterlassen. Die Forstwirtschaft steht daher unter enormem Druck, wirksame Gegenmaßnahmen zu entwickeln, die ökologisch sinnvoll und wirtschaftlich tragbar sind.

Das wurde untersucht: Eine groß angelegte Feldstudie untersuchte über drei Jahre hinweg in vier europäischen Ländern die Wirksamkeit der Bauminjektion mit dem Wirkstoff Emamectinbenzoat gegen den Buchdrucker. Insgesamt 1.200 Fichten wurden behandelt und systematisch überwacht. Die Wissenschaftler wollten wissen, ob sich die Injektion als praxistaugliche Methode eignet, um Einzelbäume oder wertvolle Bestände vor Befall zu schützen. Besonders interessant war die Frage, ob die Behandlung auch im Ernstfall funktioniert – also wenn die Käfer bereits fliegen und die Bäume unter Stress stehen.

Das fanden die Forscher heraus: Die Ergebnisse sind bemerkenswert: Bei korrekter Anwendung reduzierte die Bauminjektion die Verbuschungsrate um beeindruckende 78 Prozent im Vergleich zu unbehandelten Kontrollbäumen. Entscheidend war dabei der Zeitpunkt der Behandlung – Bäume, die vor dem Käferflug präventiv behandelt wurden, zeigten die höchste Schutzwirkung. Eine nachträgliche Behandlung nach Befallsbeginn war deutlich weniger wirksam, aber immer noch besser als nichts. Interessant auch: Nicht-Zielorganismen wie andere Insekten oder Vögel wurden kaum beeinträchtigt, was die ökologische Verträglichkeit der Methode bestätigt. Die Kosten-Nutzen-Analyse zeigt, dass sich die Investition für Waldbesitzer lohnt, wenn die Injektion fachgerecht und zum richtigen Zeitpunkt erfolgt.

Was das für die Praxis bedeutet: Die Studie liefert forstwirtschaftlichen Praktikern ein neues Werkzeug im Kampf gegen den Buchdrucker. Die Bauminjektion allein wird keine Kalamität stoppen können – aber als Teil eines integrierten Bekämpfungskonzepts bietet sie eine gezielte Möglichkeit, wertvolle Einzelbäume oder kleine Baumgruppen zu schützen. Kombiniert mit Pheromonfallen und Sauberkeitshieben entsteht ein Maßnahmenpaket, das auch unter zunehmendem Klimadruck eine nachhaltige Fichtenwirtschaft ermöglichen könnte. Für Waldeigentümer bedeutet das: Rechtzeitiges Handeln und die Kombination mehrerer Methoden sind der Schlüssel zum Erfolg.

Quelle: Pest Management Science (2026) – DOI: 10.1002/ps.70876