Die Bergwälder der Karpaten zählen zu den ausgedehntesten naturnahen Waldlandschaften Europas, und ihre Baumarten Tanne, Buche und Fichte prägen auch in Mitteleuropa seit Jahrzehnten die waldbauliche Diskussion. Eine neue Auswertung von 3590 Jahrringzeitreihen aus 915 Probeflächen entlang eines Höhengradienten von 1477 Metern verbindet erstmals drei Arten, zwei Bewirtschaftungsregime und vier große Dürrejahre in einer gemeinsamen Analyse. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie stark Klimaerwärmung und Sommertrockenheit das Dickenwachstum der drei Hauptbaumarten verändern und welche Rolle die bisherige Waldbehandlung für die Widerstandskraft gegenüber Trockenstress spielt. Die Befunde sind nicht nur für die Karpaten relevant, sondern liefern auch für den Alpenraum und die Mittelgebirge in Deutschland, Österreich und der Schweiz wichtige Hinweise.

Methodik
Das Forschungsteam wählte 915 waldkundliche Probeflächen in vier regionalen Clustern der Karpaten aus, die den Höhengradienten von rund 400 bis über 1800 Meter über dem Meeresspiegel abdecken. Auf jeder Fläche wurde der Brusthöhendurchmesser der Tanne, der Buche und der Fichte gemessen, in bewirtschafteten und in unbewirtschafteten Beständen getrennt, und die Kronenposition jedes Baumes in herrschend, mittel oder unterständig eingestuft. Aus den Bohrkernen und Stammscheiben entstanden 3590 Jahrringzeitreihen, die mit klassischen Dendrochronologie-Verfahren kreuzdatiert und auf Weiserjahre geprüft wurden. Das Wachstum jedes Baumes wurde anschließend in linearen gemischten Modellen mit der Mitteltemperatur der Vegetationsperiode und der klimatischen Wasserbilanz verknüpft, wobei Region, Kronenposition und Managementstatus als feste Effekte eingingen. Zur Bewertung der Dürretoleranz berechneten die Autorinnen und Autoren den Resistenzindex, also das Verhältnis des Wachstums im Dürrejahr zum mittleren Wachstum der vorangegangenen vier Jahre, sowie den Erholungsindex, der das Wachstum in den Jahren nach dem Stressereignis ins Verhältnis zum Vordürre-Niveau setzt.
Ergebnisse
Die Auswertung zeigt, dass die drei Baumarten sehr unterschiedlich auf die Erwärmung reagieren. Die Tanne profitiert in höheren Lagen von steigenden Temperaturen, weil sich dort die Vegetationsperiode verlängert und die Wasserversorgung in der Regel noch günstig ist. Die Buche reagiert am stärksten auf die klimatische Wasserbilanz: In Jahren mit guter Wasserversorgung legt sie deutlich zu, in Dürrejahren verliert sie jedoch überproportional an Zuwachs. Die Fichte zeigt sich am empfindlichsten gegenüber hohen Sommertemperaturen und reagiert in den oberen Kronenlagen besonders negativ. Die Kronenposition verstärkt diese Muster: Herrschende Bäume tragen das größte Risiko, gleichzeitig aber auch das größte Erholungspotenzial. Bemerkenswert ist, dass bewirtschaftete Bestände in den Daten tendenziell etwas weniger anfällig auf Dürre reagierten als unbewirtschaftete Vergleichsflächen, was die Autorinnen und Autoren auf die im Durchschnitt geringere Bestandesdichte und den höheren Anteil stabilisierender Vor- und Unterständer zurückführen. Die Jahrring-Synchronie zwischen benachbarten Bäumen nahm mit zunehmender Trockenheit zu, ein Hinweis darauf, dass die Klimasteuerung des Wachstums in Stressjahren stärker wird und die individuelle Standortvariabilität an Bedeutung verliert.
Praxisrelevanz
Für die waldbauliche Praxis in Mitteleuropa sind drei Punkte besonders relevant. Erstens stützt die Studie die seit Jahren formulierte Empfehlung, in tieferen und mittleren Lagen den Fichtenanteil zugunsten von Tanne und Buche zurückzunehmen, da die Fichte in den Trockenjahren 2015, 2018 und 2022 in den Karpaten am deutlichsten an Zuwachs verlor. Zweitens zeigen die Ergebnisse, dass eine mäßige Durchforstung mit Belassen von Vor- und Unterstand die Dürretoleranz erhöhen kann, weil die Bestandesklima sich weniger stark aufheizt und die Wurzeln der verbleibenden Bäume ein größeres Bodenvolumen erschließen. Drittens liefert die Analyse Argumente für eine stärkere Differenzierung nach Höhenstufe: Während in Hochlagen die Tanne klimatisch profitiert, sollten in Tieflagen und auf flachgründigen Standorten weiterhin Buche und gegebenenfalls Eiche gefördert werden. Für die Forsteinrichtung bedeutet dies, dass die bisher oft pauschalen Baumartenempfehlungen künftig kleinstandörtlich differenziert werden sollten. Auch die Wahl der Verjüngungsverfahren gewinnt vor diesem Hintergrund an Bedeutung, denn wo Naturverjüngung der Tanne und Buche unter Schirm möglich ist, kann die Bestandesbegründung deutlich kostengünstiger und klimaresilienter erfolgen als über Pflanzung mit nachfolgender Pflege. In den Karpaten beobachten die Autorinnen und Autoren zudem, dass in unbewirtschafteten Beständen die Fichte in Trockenjahren zwar weniger anfällig reagiert als in bewirtschafteten, dafür aber langfristig weniger Erholungspotenzial zeigt, weil die Bestandesdichte zu hoch bleibt. Die Studie liefert damit auch eine empirische Grundlage für die in Mitteleuropa kontrovers diskutierte Frage, ob und wie stark in Fichtendominanzbeständen eingegriffen werden sollte, um die Anpassungsfähigkeit an den Klimawandel zu sichern.
Vertiefung: Resistenz und Erholung als zwei Seiten derselben Medaille
Ein wichtiger methodischer Aspekt der Studie ist die gemeinsame Auswertung von Resistenz und Erholung. Viele ältere Arbeiten betrachten entweder die Wachstumseinbußen im Dürrejahr oder die Erholung in den Folgejahren, beide Werte gemeinsam ergeben jedoch ein differenzierteres Bild der Resilienz. Die Autorinnen und Autoren fanden, dass die Tanne in den Karpaten zwar mäßig resistent auf Dürre reagiert, ihre Erholung aber besonders effizient verläuft, sodass die Jahrringe nach zwei bis drei Jahren wieder das Ausgangsniveau erreichen. Die Buche verhält sich spiegelbildlich: Sie ist während des Dürreereignisses vergleichsweise robust, weil ihre Blätter osmotisch stärker reguliert werden können, braucht danach aber länger, um den verlorenen Zuwachs zu kompensieren. Für die mitteleuropäische Forstpraxis heißt das, dass eine Buche in einem Trockenjahr weniger dramatisch aussieht als eine Fichte, auf mehrjährige Dürrephasen jedoch empfindlicher reagiert als die Tanne. Diese zeitversetzte Reaktion sollte in waldbaulichen Risikobewertungen künftig stärker berücksichtigt werden. Die Jahrring-Synchronie, also die Übereinstimmung der Wachstumsmuster benachbarter Bäume, ist ein zweiter interessanter Indikator. Nimmt die Synchronie in Trockenjahren zu, bedeutet das, dass die individuelle Standortvariabilität an Bedeutung verliert und das Klima zum dominierenden Wachstumsfaktor wird. In den Karpatendaten stieg die Synchronie in den Dürrejahren 2003, 2015 und 2018 messbar an, was als Hinweis auf eine zunehmende klimatische Steuerung des Wachstums gewertet wird. Für die mitteleuropäische Forstplanung liefert diese Beobachtung einen Ansatzpunkt, künftig nicht nur Mittelwerte, sondern auch die Synchronie der Jahrringe als integrales Warnsignal in Waldmonitoringsysteme einzubinden. Wo plötzlich viele Bäume synchron in das gleiche Wachstumstief fallen, deutet das auf eine kritische Witterungskonstellation hin, die kurzfristige waldbauliche Reaktionen wie etwa Wasserentlastung in Jungbeständen oder Kronenpflege in Stangenhölzern erforderlich machen kann.
Limitations
Wie bei allen dendroökologischen Studien gilt, dass die Ergebnisse aus den Karpaten nur eingeschränkt auf andere Regionen übertragbar sind. Lokale Standortbedingungen, Bodenarten und Niederschlagsverteilungen unterscheiden sich zum Teil erheblich von den Verhältnissen in den Alpen oder den deutschen Mittelgebirgen. Außerdem erfasst die Studie ausschließlich den Stammzuwachs, nicht aber andere Dürrefolgen wie Vitalitätsverluste, Schädlingsbefall oder Mortalität, die in der Praxis häufig erst mit mehrjähriger Verzögerung sichtbar werden. Schließlich konzentriert sich die Analyse auf drei Hauptbaumarten, sodass über die Eiche, die Kiefer oder die Vogelbeere keine Aussagen abgeleitet werden können.
Dieser Artikel wurde mit Hilfe von KI erstellt und vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft. Inhaltliche Quellen: die jeweils zitierte Originalstudie. DOI: https://doi.org/10.1016/j.jenvman.2026.130230