Borkenkäfer auf Kiefer: Warum Ips typographus auch Scots Pine befällt
KI-generiert | Nur zur Veranschaulichung

Einleitung: Der Buchdrucker weicht aus

Der Kupferstecher oder Buchdrucker (Ips typographus) ist der gefürchtetste Schädling der Fichte in Europa. Unter normalen Bedingungen befällt er vor allem vorgeschädigte oder absterbende Fichten (Picea abies), die durch Trockenheit, Stürme oder andere Stressfaktoren geschwächt sind. Doch während der Massenvermehrung, wie sie in den letzten Jahren aufgrund des Klimawandels immer häufiger auftritt, reicht das Angebot an Fichten nicht mehr aus — der Käfer weicht auf andere Baumarten aus. Eine dieser Alternativen ist die Gemeine Kiefer (Pinus sylvestris), auch Scots Pine genannt. Bisher war jedoch unklar, ob der Borkenkäfer von Kiefernbork angelockt wird, welche chemischen Signale dabei eine Rolle spielen und wie erfolgreich die Reproduktion auf der Kiefer gelingt. Diese Fragen untersuchte ein finnisches Forschungsteam nun im Labor.

So wurde geforscht

Die Wissenschaftler führten zwei Hauptversuche durch: Zum einen Laufbioassays mit kurzer Reichweite, bei denen die Käfer wählen konnten zwischen Geruchsstoffen aus Kiefern- und Fichtenborke. Zum anderen Zweifachwahltests mit Baumstämmen (Logs), um das Ansprechverhalten bei der Kolonisation zu prüfen. Zusätzlich analysierten die Forscher die flüchtigen Borkeninhaltsstoffe (Monoterpene) beider Baumarten und identifizierten die Enantiomeren-Verhältnisse — also die räumliche Ausrichtung der Moleküle, die entscheidend für die biologische Wirkung sein kann. Schließlich wurde die Reproduktionsleistung auf beiden Baumarten verglichen: Anzahl und Gewicht der Nachkommen.

Die wichtigsten Ergebnisse

Der Borkenkäfer wurde sowohl von Fichten- als auch von Kiefernborke angelockt — und zeigte keine signifikante Präferenz für eine der beiden Baumarten. In den Stammtests war das Ergebnis ähnlich: Die Käfer unterschieden nicht signifikant zwischen Kiefer und Fichte. Die Analyse der Borkeninhaltsstoffe ergab allerdings quantitative Unterschiede bei den Monoterpenen und deren Enantiomeren. Interessanterweise löste keines der einzeln getesteten Monoterpene eine Verhaltensreaktion aus — die Attraktivität scheint also aus dem Zusammenspiel mehrerer Stoffe zu entstehen, nicht aus einem Einzelsegment. Bei der Reproduktion zeigte sich ein anderes Bild: Ips typographus konnte zwar in Kiefernstämmen Nachkommen erzeugen, jedoch mit deutlich reduzierter Fitness — weniger Nachkommen und geringeres Gewicht. Besonders auffällig: Männchen produzierten weniger cis-Verbenol, die Aggregationspheromon-Komponente, die andere Käfer zu Massenansammlungen zusammenruft.

Was das für die Praxis bedeutet

Die Ergebnisse zeigen, dass der Borkenkäfer bei Nahrungsknappheit durchaus in der Lage ist, auf die Kiefer auszuweichen — zumindest unter Laborbedingungen. Allerdings scheint das Risiko einer massiven Vermehrung auf Kiefer geringer zu sein, da das schwächere Pheromon-Signal weniger Käfer anlockt. Für Waldbesitzer bedeutet das: Auch Kiefernbestände sollten stärker ins Monitoring einbezogen werden, besonders in Regionen mit hoher Borkenkäferlast und nach Störungen. Gleichzeitig ist die reduzierte Reproduktionsleistung auf Kiefer ein warnender Hinweis — sie zeigt, dass der Käfer zwar flexibel ist, aber nicht unbegrenzt.

Limitations und offene Fragen

Die Studie wurde ausschließlich unter Laborbedingungen durchgeführt — in der freien Natur könnten weitere Faktoren wie Prädation, Konkurrenz oder mikroklimatische Bedingungen das Ergebnis verändern. Auch fehlen Langzeitdaten zur Populationsdynamik auf Kiefer. Unklar bleibt, ob sich unter Feldbedingungen eine stabile Teilpopulation auf Kiefer entwickeln könnte, die das Gesamtbefallsrisiko erhöht. Hier sind Freilandstudien mit gezielten Kiefernbefallsversuchen der nächste notwendige Forschungsschritt.


Dieser Artikel wurde mit Hilfe von KI erstellt und dient der allgemeinen Information.