Invasive Borkenkäfer: Breitere Wärmetoleranz als erwartet – Ausbreitung nach Norden möglich

Die Ausbreitung invasiver Borkenkäferarten gehört zu den größten Bedrohungen für Wälder weltweit. Der asiatische Borkenkäfer Xyleborinus andrewsae hat sich in den letzten Jahrzehnten stark ausgebreitet und richtet in seinen neuen Verbreitungsgebieten erhebliche Schäden an. Doch wie hitzetolerant ist diese invasive Art wirklich? Diese Frage ist entscheidend, um vorherzusagen, welche Regionen künftig gefährdet sein könnten.

Das wurde untersucht

Wissenschaftler haben in einer Laborstudie die sogenannten kritischen Wärme- und Kälteschwellen von Xyleborinus andrewsae bestimmt. Dabei maßen sie die niedrigste und höchste Temperatur, bei der die Käfer noch überleben können – der sogenannte critical thermal minimum (CTmin) und maximum (CTmax). Zusätzlich dokumentierten sie, wie aktiv die Käfer bei verschiedenen Temperaturen fressen.

Das fanden die Forscher heraus

Die Ergebnisse sind bemerkenswert: Xyleborinus andrewsae überlebte Temperaturen zwischen 5,2°C und 42,1°C. Das ist ein deutlich breiteres Temperaturspektrum als das vieler heimischer Borkenkäferarten. Die Fraßaktivität war zwischen 20 und 30°C am höchsten und ging an den Temperaturextremen stark zurück. Besonders auffällig: Selbst bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt waren die Käfer noch aktiv. Das bedeutet, dass mildere Winter – eigentlich eine Schutzmaßnahme – die Käfer nicht mehr zuverlässig abtöten. Mit steigenden Temperaturen könnten kühlere Regionen wie höhere Lagen oder nördliche Breiten für diese Art besiedelbar werden, die bisher als zu kalt galten.

Was das für die Praxis bedeutet

Für Förster und Waldbesitzer zeigt diese Studie deutlich: Die Ausbreitungsgefahr durch invasive Borkenkäfer wird unter Klimabedingungen unterschätzt. Auch Gebiete, die bislang als zu kühl für solche Arten galten, könnten in Zukunft gefährdet sein. Das Frühwarnsystem für Borkenkäferbefall muss um invasive Arten wie Xyleborinus andrewsae erweitert werden. Vorbeugende Kontrollmaßnahmen sollten besonders an Wärme begünstigten Standorten intensiviert werden.

Quelle: Critical thermal thresholds for survival and feeding in the invasive bark beetle Xyleborinus andrewsae. Scientific Reports, 2026. DOI: https://doi.org/10.1038/s41598-026-49185-9