
Wenn in Kalifornien ein Waldbrand ausbricht, ist die Frage nicht mehr nur ob er wütet, sondern wie. Eine Langzeitstudie der University of California, Berkeley, hat nun mit hochaufgelösten Fernerkundungsdaten 4.391 Waldbrände zwischen 1985 und 2024 ausgewertet – und kommt zu einem Befund, der die bisherige Waldbrandforschung ergänzt: Nicht die Fläche ist das eigentliche Problem, sondern die Schwere. Die Arbeit ist 2026 in den Proceedings of the National Academy of Sciences erschienen.
Einleitung: Warum Schwere mehr zählt als Fläche
Über Jahrzehnte hinweg haben Forstbehörden in Kalifornien die Waldbrandfläche dokumentiert, ohne die Intensität sauber zu differenzieren. Dabei ist genau das ein entscheidender Faktor: Low-Severity-Feuer, die den Boden und die Baumkronen nur leicht erfassen, galten in vielen Ökosystemen als ökologisch wertvoll, weil sie die Verjüngung förderten und die natürliche Baumartenmischung bewahrten. High-Severity-Feuer hingegen, also Flammen, die ganze Bestände komplett verzehren, hinterlassen monokulturelle, artenarme Flächen und verändern das Waldklima nachhaltig.
So wurde geforscht
Hung und Williams haben Satellitendaten des kompletten kalifornischen Waldgebiets über vierzig Jahre hinweg ausgewertet. Sie kombinierten multispektrale Aufnahmen mit Höhenmodellen, um für jeden der 4.391 dokumentierten Brände die räumliche Verteilung der Schwereklassen zu kartieren. Auf dieser Datenbasis untersuchten sie Trends über die Zeit und identifizierten Umweltfaktoren, die mit besonders schwerem Brandverlauf korrelieren.
Die wichtigsten Ergebnisse
Seit 2012 dominieren High-Severity-Brände. In den 1980er- und 1990er-Jahren machten Low-Severity-Feuer noch den größten Anteil der verbrannten Fläche aus. Dieser Trend hat sich komplett umgekehrt: Ab 2012 sind High-Severity-Feuer die häufigste Schwereklasse in kalifornischen Wäldern. Das bedeutet, dass der durchschnittliche Brand heute mehr Schaden pro Fläche anrichtet als in jeder früheren Beobachtungsperiode.
Wälder überleben diese Brände nicht. High-Severity-Feuer erreichen Temperaturen und Energiedichten, bei denen auch alte, an trockene Bedingungen angepasste Nadelbäume absterben. Die Folgen sind großflächige Bestandsverluste, die über Jahrzehnte hinweg kaum regenerieren.
Hohe Biomasse als Brandverstärker. Die Studie identifiziert Wälder mit besonders hoher oberirdischer Biomasse als Treiber der Verschärfung. Wo jahrzehntelange Feuerunterdrückung dichte Unterstände und enorme Totholzmengen entstehen ließ, finden Brände mehr Brennstoff als je zuvor.
Hohe sozioökonomische Kosten. Kalifornische Wälder erbringen Ökosystemleistungen, die weit über die Holzproduktion hinausgehen: Klimaregulation, Wasserkreislauf, Biodiversität, Erholung. Die Verschiebung hin zu High-Severity-Feuern gefährdet all diese Funktionen gleichzeitig. Die Autorinnen und Autoren rechnen mit erheblichen gesellschaftlichen Folgekosten.
Was das für die Praxis bedeutet
Die Ergebnisse liefern eine wissenschaftliche Grundlage für die seit Jahren diskutierte Rückkehr zu kontrolliertem Brennen in kalifornischen Wäldern. Wenn dichte Biomasse der Haupttreiber ist, dann sind mechanische Ausdünnung und Pflegefeuer die logische Konsequenz. Auch die Wiederherstellung von Waldbeständen, die besser an intensive Feuer angepasst sind, gewinnt an Bedeutung.
Limitations und offene Fragen
Die Studie betrachtet ausschließlich kalifornische Verhältnisse und ist nicht direkt auf mitteleuropäische Wälder übertragbar. Auch die Frage, wie sich die seit 2024 beobachtete Wetterentwicklung mit häufigeren Starkniederschlägen auf den Brennstoffhaushalt auswirkt, ist offen. Klar ist aber, dass eine rein flächenbasierte Brandstatistik die Realität nicht mehr angemessen abbildet.
Quelle: Hung MJ, Williams AP (2026): High-severity fire now dominant in California forests. Proceedings of the National Academy of Sciences. DOI: 10.1073/pnas.2532829123
Dieser Artikel wurde mit Hilfe von KI erstellt und dient der allgemeinen Information. Keine Rechts- oder Beratungsempfehlung.