
Einleitung: Warum artenreiche Wälder mehr können als Monokulturen
Weltweit dominieren Forstplantagen das Bild der bewirtschafteten Wälder. Schätzungen zufolge bestehen rund 70 Prozent der produktiven Plantagen aus Monokulturen, oft nur einer einzigen Baumart. Die Vorteile liegen auf der Hand: einheitliche Bewirtschaftung, einfache Ernte, klare Ertragsplanung. Doch die Kehrseite zeigt sich spätestens dann, wenn Stürme, Dürre oder Schädlingsausbrüche zuschlagen. Monokulturen reagieren auf solche Störungen deutlich verletzlicher als Mischbestände. Vor diesem Hintergrund hat ein internationales Forschungsteam unter Leitung der schwedischen Universität für Agrarwissenschaften (SLU) untersucht, wie Waldbesitzer, Forstunternehmen und Verbände in vier Ländern mit besonders ausgeprägter Forstwirtschaft – Brasilien, Frankreich, Portugal und Schweden – den Weg hin zu vielfältigeren Mischbeständen einschätzen. Insgesamt 81 halbstrukturierte Interviews mit Bewirtschaftern und Stakeholdern liefern ein detailliertes Bild der Motivationen, Hindernisse und Chancen.
Die Ausgangsfrage der Studie war klar umrissen: Wenn die ökologischen Vorteile von Mischwäldern seit Jahrzehnten bekannt sind, warum dominieren dann weiterhin Monokulturen die globale Forstwirtschaft? Die Forschenden wollten verstehen, welche Faktoren auf Seiten der Bewirtschafter, der Industrie und der politischen Rahmenbedingungen einer Umstellung im Weg stehen – und welche Hebel sich daraus für die Praxis ableiten lassen.
So wurde geforscht
Die Studie folgt einem qualitativen Mixed-Methods-Design. In jedem der vier Länder wurden zwischen 18 und 22 Interviews mit Schlüsselakteuren geführt: private Waldbesitzer, Vertreter forstwirtschaftlicher Unternehmen sowie Mitarbeitende von Branchenverbänden und Behörden. Die Forscherinnen und Forscher wählten die vier Länder bewusst nach dem Kriterium einer starken, aber strukturell unterschiedlichen Forstwirtschaft aus – mit dem Ziel, Gemeinsamkeiten und Kontraste sichtbar zu machen. Die Interviewtranskripte wurden mittels thematischer Codierung ausgewertet, ergänzt durch eine Validierungsrunde mit Teilstichproben. So entstand ein differenziertes Bild der Beweggründe, das über einfache Pro-Contra-Listen hinausgeht.
Die wichtigsten Ergebnisse
Die Ergebnisse zeigen, dass die Hauptmotivation für Mischwälder in allen vier Ländern die wahrgenommene Resilienz ist – also die Fähigkeit, Störungen standzuhalten und sich davon zu erholen. Konkret nannten die Befragten drei zentrale Treiber: Risikostreuung gegen Klimaextreme, geringere Anfälligkeit für Schädlingskalamitäten sowie eine breitere Einkommensbasis durch die Nutzung mehrerer Baumarten. In Schweden und Frankreich, wo Nadelholzplantagen mit Fichte und Kiefer eine lange Tradition haben, spielten dabei vor allem die Erfahrungen mit Sturmwürfen und Borkenkäferausbrüchen der vergangenen Jahrzehnte eine Rolle.
Als größte Hindernisse identifizierten die Forschenden wirtschaftliche Faktoren: höhere Erntekosten, komplexere Logistik und unsicherere Absatzmärkte für weniger verbreitete Baumarten. Mehr als zwei Drittel der Befragten gaben an, dass bestehende Subventions- und Fördersysteme weiterhin auf monokulturelle Bewirtschaftung ausgerichtet sind. Fehlendes Know-how über Mischwaldbewirtschaftung sowie Unsicherheiten bei der Waldbrandprävention und der Schädlingsdiagnose wurden ebenfalls häufig genannt.
Besonders aufschlussreich ist der länderspezifische Befund: In Brasilien, wo Eukalyptusplantagen für die Zellstoffproduktion dominieren, sehen die Bewirtschafter Mischwälder vor allem als Instrument zur Bodenverbesserung und zur Reduktion des Düngemitteleinsatzes. In Portugal und Frankreich stehen hingegen naturschutzfachliche Aspekte und die Erfüllung europäischer Biodiversitätsziele im Vordergrund. Schweden kombiniert beide Perspektiven und betont zusätzlich die Vorteile für die lokale Wertschöpfung in ländlichen Räumen.
Die Studie hebt hervor, dass institutionelle Rahmenbedingungen eine Schlüsselrolle spielen. Wo Förderprogramme gezielt Mischwälder unterstützen oder wo Zertifizierungssysteme höhere Preise für vielfältige Bestände zahlen, ist die Bereitschaft zur Umstellung deutlich höher. Rund 60 Prozent der befragten Bewirtschafter in Frankreich und Schweden signalisierten konkrete Umstellungsbereitschaft, sofern die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen angepasst würden.
Was das für die Praxis bedeutet
Für deutsche und europäische Waldbesitzer liefert die Studie mehrere unmittelbar verwertbare Erkenntnisse. Erstens: Die Weichen für mehr Mischwald werden nicht im Wald selbst, sondern in der Förderpolitik und der Vermarktung gestellt. Wer Mischbestände ernten will, braucht Abnehmer, die unterschiedliche Holzsortimente abnehmen können – das ist heute vielerorts noch ein Engpass. Zweitens: Die Umstellung von Monokultur auf Mischwald erfordert vorausschauende Planung über mehrere Jahrzehnte. Empfehlenswert ist die Etablierung kleinerer Pilotflächen, auf denen Erfahrungen mit Mischungsmustern, Pflegekonzepten und Ernteketten gesammelt werden.
Für Forstgenossenschaften und Waldbesitzerverbände empfiehlt sich der Aufbau gemeinsamer Logistikstrukturen, um die höheren Erntekosten zu kompensieren. Erfahrungen aus Frankreich zeigen, dass kooperative Holzvermarktung die Wirtschaftlichkeit von Mischwäldern erheblich verbessern kann. Zudem sollten Bewirtschafter die veränderte Schädlingsdynamik in Mischbeständen im Blick behalten: Während Borkenkäfer in reinen Fichtenbeständen schnell eskalieren, breiten sie sich in Mischwäldern deutlich langsamer aus, da die flugfähigen Käfer größere Distanzen zwischen geeigneten Brutbäumen überbrücken müssen.
Was das für die Praxis bedeutet – Vertiefung
Die Ergebnisse aus der vorliegenden Studie stehen im Einklang mit früheren europäischen Untersuchungen, die Mischwäldern eine um 20 bis 30 Prozent höhere ökosystemare Resilienz attestieren als gleichaltrigen Monokulturen. Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2024 an über 200 europäischen Waldflächen zeigte, dass Mischbestände bei identischer Bewirtschaftungsintensität signifikant weniger unter Trockenstress und Schadinsekten litten. Die aktuelle Studie ergänzt diese Befunde um die menschliche Dimension: Sie zeigt, dass die Bereitschaft zur Umstellung existiert, aber an institutionellen und wirtschaftlichen Hürden scheitert. Für die deutsche Forstpolitik, die im Zuge des Waldumbau-Programms Milliarden in klimatolerante Mischwälder investiert, ist dies ein klares Signal, dass die Förderbedingungen noch stärker auf die Bewirtschafter zugeschnitten werden müssen.
Gerade für Privatwaldbesitzer mit Flächen unter 100 Hektar ist die Umstellung eine besondere Herausforderung. Die höheren Erntekosten pro Festmeter fallen bei kleinen Strukturen stärker ins Gewicht, weil sich Skaleneffekte nicht realisieren lassen. Eine Möglichkeit, dem zu begegnen, ist der Zusammenschluss in Forstbetriebsgemeinschaften, die gemeinsam Holz vermarkten und Pflegemaßnahmen koordinieren. In mehreren deutschen Bundesländern gibt es hierfür bereits geförderte Strukturen, deren Ausbau ein Schlüssel für eine breite Etablierung von Mischwäldern sein könnte. Ergänzend können Waldbesitzer auf klimaplastische Baumarten wie Traubeneiche, Hainbuche oder Elsbeere setzen, die bei moderater Wuchsdynamik auch in Mischung mit der Fichte gute Ergebnisse zeigen und zugleich wertvolles Wertholz liefern.
Limitations & offene Fragen
Die Studie weist einige Einschränkungen auf, die bei der Interpretation berücksichtigt werden sollten. Die Auswahl der vier Länder bildet nicht die globale Vielfalt der Forstwirtschaft ab – insbesondere die Tropen und Nordamerika fehlen. Zudem basiert die Analyse auf Selbstauskünften der Befragten, die zwischen tatsächlichem Verhalten und geäußerter Bereitschaft unterscheiden können. Längsschnittstudien, die Umstellungsprozesse über mehrere Jahre begleiten, wären ein wertvoller nächster Schritt, um zu prüfen, ob die geäußerte Umstellungsbereitschaft tatsächlich in die Praxis umgesetzt wird.
Eine weitere offene Frage betrifft die ökonomische Tragfähigkeit unter veränderten Klimabedingungen. Während die ökologischen Vorteile von Mischwäldern gut dokumentiert sind, bleibt die Frage, wie sich die wirtschaftliche Rendite bei zunehmender Witterungsextremität und veränderten Holzpreisen entwickeln wird. Die vorliegenden Ergebnisse liefern hierfür wichtige Hinweise, lassen aber keine abschließende Quantifizierung zu.
Quelle: Stakeholders‘ perspectives on barriers and pathways toward the diversification of planted forests. Ambio, 2026. DOI: 10.1007/s13280-026-02425-8
Dieser Artikel wurde mit Hilfe von KI erstellt und dient der allgemeinen Information. Keine Rechts- oder Beratungsempfehlung.