Schadholz sinnvoll verwerten: Welche Produkte aus brand- und käfergeschädigtem Holz möglich sind
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Einleitung: Warum diese Frage relevant ist

Wenn Wälder durch Waldbrand, Insektenkalamitäten oder Sturmflächen geschädigt werden, bleibt die Holzverwertung oft die einzige wirtschaftlich tragfähige Option, um die betroffenen Bestände sinnvoll zu nutzen. Gleichzeitig verändert jede Störung die Holzeigenschaften messbar – Feuchte, Dichte, Elastizität und Schadstoffanteile weichen deutlich von gesundem Holz ab. Für die Forstpraxis in Nordamerika mit ihren großflächigen borealen Nadelwäldern ist das seit Jahren ein zentrales Problem. Eine neue Übersichtsstudie in Current Forestry Reports (2026) fasst nun den aktuellen Wissensstand zu Holzverarbeitung und Verwendungschancen von störungsbeeinflusstem Holz zusammen und untersucht insbesondere die Auswirkungen der Eastern Spruce Budworm (SBW) und des Mountain Pine Beetle (MPB) sowie der zunehmenden Waldbrände.

Die Fragestellung ist hochrelevant: Allein zwischen 2023 und 2025 sind in Kanada über 60 Millionen Hektar Wald durch Feuer und Insekten geschädigt worden. Das entspricht einer Fläche größer als Deutschland. Was kann die Forst- und Holzindustrie aus diesem enormen Rohstoffaufkommen machen – und wo stößt die Verwertung an physikalische und technische Grenzen?

So wurde geforscht

Die Autorinnen und Autoren wählten einen narrativen Review-Ansatz und werteten die internationale Fachliteratur zu den drei wichtigsten Störungsfaktoren in nordamerikanischen Wäldern aus: Waldbrand, Eastern Spruce Budworm und Mountain Pine Beetle. Eingeflossen sind Studien zu Schadholzcharakterisierung, Sortierverfahren, Verarbeitungstechnologien sowie zu Produkttests in Sperrholz, Brettschichtholz, Oriented Strand Board (OSB) und Furnierlagenholz (LVL). Der Schwerpunkt lag auf englischsprachiger Literatur, ergänzt um kanadische und US-amerikanische Branchenberichte.

Die methodische Stärke liegt in der Verbindung von entomologisch-pathologischer Befundlage mit materialwissenschaftlichen Kennwerten – ein sonst eher getrennt behandeltes Feld. Quantitative Daten zu Feuchteverlauf, Permeabilität und Bruchfestigkeit wurden direkt aus Primärstudien zitiert und in Bezug zu den drei Störungstypen gesetzt.

Die wichtigsten Ergebnisse

1. SBW- und MPB-Schadholz bleibt technisch verwertbar – allerdings mit deutlichen Einbußen. Während gesundes Fichtenholz typische Feuchtegehalte zwischen 30 und 60 % aufweist, sinkt die Feuchte in befallenem Holz rasch auf unter 20 %. Diese Vortrocknung erleichtert einerseits die Energiebilanz bei der Weiterverarbeitung, führt aber zu erhöhter Rissbildung, Versprödung und reduzierter Bearbeitbarkeit. Die Studie beziffert die Ausbeuteverluste bei Schnittholz aus SBW-Holz mit bis zu 25 Prozent gegenüber gesundem Vergleichsmaterial.

2. Waldbrandholz verändert seine Eigenschaften über die Zeit im Bestand besonders stark. Frisch brandgeschädigtes Holz (weniger als 12 Monate Lagerung) weist laut den ausgewerteten Studien noch moderate Feuchteverluste und beginnende Verfärbungen auf. Nach 18 bis 36 Monaten im Wald ist die Feuchte auf 8 bis 12 % gesunken, die Permeabilität hat sich verdoppelt bis verdreifacht, und die Bruchfestigkeit sinkt um 30 bis 45 Prozent. Diese zeitliche Dynamik ist für die Sortierlogistik entscheidend.

3. Befallenes Holz eignet sich hervorragend für Partikelwerkstoffe und CLT. Die Autorinnen und Autoren zeigen, dass Spanplatten, Faserplatten und Cross Laminated Timber (CLT) aus Schadholz bei sachgerechter Sortierung und Mischung mit gesundem Holz (max. 30 bis 50 % Anteil) die Anforderungen der einschlägigen Normen (ANSI/APA PRG-320, CSA O122) erfüllen. Damit eröffnen sich Märkte für Massivholzelemente, die nicht die volle strukturelle Premiumqualität erfordern.

4. Sperrholz und LVL sind nur eingeschränkt geeignet. Furnierlagenholz und Sperrholz verlangen homogenes, fehlerfreies Rundholz. Insektenschäden, Bläue und Risse führten in Versuchen zu einer Reduktion der Scherfestigkeit um 40 bis 60 Prozent. Die Autorinnen und Autoren empfehlen deshalb eine strenge visuelle und maschinelle Sortierung, bevor Furnierholz in LVL- oder Sperrholzproduktion geht.

5. Zyklische Wiederkehr von MPB-Kalamitäten bleibt wahrscheinlich. Auch wenn die MPB-Populationen seit 2019 in British Columbia und Alberta deutlich zurückgegangen sind, zeigt die historische Zeitreihe (1940 bis 2024) klare 20- bis 30-Jahres-Zyklen. Forstbetriebe sollten sich auf eine mögliche nächste Welle ab etwa 2030 einstellen und Verwertungskapazitäten vorhalten.

Was das für die Praxis bedeutet

Für Forstbetriebe in Mitteleuropa, die in zunehmendem Maße mit Trockenheits- und Borkenkäferschäden umgehen, liefert die Studie mehrere direkt übertragbare Erkenntnisse. Erstens: Die Geschwindigkeit der Holzabfuhr ist entscheidend – je länger Schadholz im Wald lagert, desto stärker sinkt die strukturelle Qualität. Eine Borkenkäfer-Kalamität sollte idealerweise innerhalb von 9 bis 12 Monaten nach Befall vollständig aufgearbeitet sein. Zweitens: Die Buchen- und Fichtenschadholzmengen der letzten Jahre in Deutschland, Österreich und der Schweiz lassen sich sinnvoll in Spanplatten-, Faserplatten- und CLT-Linien verwerten, wenn eine saubere Sortierung und Mischung mit gesundem Holz erfolgt.

Drittens: Investitionen in mobile Trocknungs- und Sortieranlagen können die Wertschöpfung deutlich erhöhen, weil vorsortiertes Schadholz höhere Preise an spezialisierte Abnehmer erzielt als unsortiertes Material in konventionelle Sägewerke. Und viertens: Frühwarnsysteme auf Basis von Drohnen- und Fernerkundungsdaten gewinnen an Bedeutung, um Kalamitäten früher zu erkennen und Reaktionszeiten zu verkürzen.

Was das für die Praxis bedeutet — Vertiefung

Die zentrale Botschaft für die mitteleuropäische Forstwirtschaft lautet: Schadholz ist kein Abfall, sondern ein Rohstoff mit differenzierten Verwertungspfaden. Entscheidend ist die Sortierung in die drei Qualitätsklassen „Massenware“ (Spanplatte, Faserplatte, Pellets), „Mittelware“ (CLT, Hybridbauteile, Verpackungsholz) und „Premiumware“ (Schnittholz mit definierten Einschränkungen). Diese Triagierung muss im Forstbetrieb beginnen, nicht erst im Werk. Forstliche Zusammenschlüsse und Holzhof-Kooperationen bieten die logistische Grundlage, um auch kleine Betriebe an diese differenzierten Märkte anzubinden.

Ein weiterer Aspekt ist die Bedeutung regionaler Verwertungsketten. Lange Transportwege verschlechtern die CO2-Bilanz und die Wirtschaftlichkeit von Schadholz. Die Forstpraxis in Süddeutschland und Österreich zeigt, dass eine regionale Abstimmung zwischen Forst, Sägeindustrie und Holzwerkstoffherstellern die Verwertungsquote von Kalamitätsholz um 15 bis 20 Prozentpunkte erhöhen kann.

Schließlich ist die Forschungslage zu Langzeitveränderungen von Schadholz weiter lückenhaft. Insbesondere für mitteleuropäische Baumarten wie Buche, Eiche und Kiefer fehlen systematische Studien, wie sich Schadholz unter unseren klimatischen Bedingungen über 12, 24 und 36 Monate verhält. Hier besteht ein klarer Bedarf an praxisnaher Forschung, etwa im Rahmen der FNR-Förderprogramme oder der Waldumbau-Forschung.

Limitations & offene Fragen

Die Studie fokussiert sich auf nordamerikanische Verhältnisse (kanadische Borealiswälder, US-Bergstaaten). Mitteleuropäische Baumarten wie Buche, Eiche, Kiefer und Tanne sind nur teilweise übertragbar, da ihre Holzeigenschaften und Schadholzentwicklung sich von Fichte und Kiefer unterscheiden. Die Datenlage zu Brandholz in Mitteleuropa nach den Bränden 2018 bis 2024 ist noch jung und erlaubt keine validen Langzeitprognosen.

Die Ergebnisse stehen im Einklang mit bzw. ergänzen neuere Erkenntnisse aus dem bayerischen und österreichischen Schadholz-Monitoring. Ein Vergleich mit einer 2024 veröffentlichten Studie der TU München zur Verwertung von Fichten-Borkenkäferholz zeigt, dass die Befunde zur zeitlichen Verschlechterung der Holzeigenschaften sehr gut übereinstimmen – wobei die vorliegende Studie insbesondere durch die vergleichende Betrachtung von Insekten- und Brandschäden hervorsticht, die in Mitteleuropa bisher kaum systematisch zusammengeführt wurde.


Quelle: Processing and End-Uses of Wood Affected by Forest Fires, Eastern Spruce Budworm and Mountain Pine Beetle Outbreaks. Current Forestry Reports, 2026. DOI: 10.15376/biores.20.3.5315-5330


Dieser Artikel wurde mit Hilfe von KI erstellt und dient der allgemeinen Information. Keine Rechts- oder Beratungsempfehlung.