Schutzgebiete speichern deutlich mehr Kohlenstoff: Chinas Wälder unter strengem Schutz binden 13 Prozent mehr
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Eine neue Studie in Nature Communications zeigt, dass Wälder in chinesischen Schutzgebieten im Durchschnitt etwa 13 Prozent mehr Kohlenstoff pro Hektar speichern als vergleichbare Wälder außerhalb dieser Zonen. Die Forschenden kombinierten satellitengestützte Laserdaten mit Klimaprojektionen und beziffern das zusätzliche Kohlenstoffpotenzial bei konsequentem Schutz auf rund 600 Teragramm Kohlenstoff bis zum Ende des Jahrhunderts. Damit liegt erstmals eine flächendeckende, quantifizierte Abschätzung vor, wie viel strenger Waldschutz im großen Maßstab tatsächlich zur Klimaschutzleistung eines Landes beitragen kann.

Hintergrund: Warum Schutzgebiete für den Klimaschutz neu bewertet werden

Wälder gelten als einer der größten terrestrischen Kohlenstoffspeicher, doch bislang war unklar, wie viel strenger Schutz tatsächlich bringt und welche Schutzkategorien besonders wirksam sind. Die internationale Klimapolitik setzt zunehmend auf Waldschutz als kosteneffiziente Klimaschutzmaßnahme, gleichzeitig stehen viele Schutzgebiete unter Druck durch illegale Holznutzung, Infrastrukturprojekte und unklare Managementzuständigkeiten. China ist in dieser Diskussion ein Schlüsselakteur: Mit seinen ehrgeizigen Klimazielen und einer rasch wachsenden Zahl an Schutzgebieten, darunter den seit 2022 eingerichteten Nationalparks, liefert das Land einen in dieser Größenordnung einzigartigen Datensatz. Eine vergleichbar systematische Auswertung fehlte bisher für Europa, wo die Schutzgebietsstruktur kleinteiliger ist und die Datenlage zwischen den Mitgliedstaaten stark variiert.

Das internationale Forschungsteam wollte daher zwei Fragen beantworten: Wie viel Kohlenstoff speichern Wälder in Schutzgebieten im Vergleich zu ungeschützten Referenzflächen, und wie unterscheidet sich diese Leistung zwischen verschiedenen Schutzkategorien? Ergänzend modellierten die Autorinnen und Autoren, wie sich die Kohlenstoffvorräte unter verschiedenen Klimaszenarien bis 2100 entwickeln könnten.

Methodik: Laserdaten aus dem All, Klimamodelle und Referenzflächen

Die Studie nutzte Daten der GEDI-Mission, einer Laservermessungseinheit an Bord der Internationalen Raumstation, die mit einer Auflösung von rund einem Kilometer die dreidimensionale Struktur von Wäldern erfasst. Im Gegensatz zu herkömmlichen optischen Satelliten liefert GEDI auch Informationen zur Bestandeshöhe und damit zur oberirdischen Biomasse, ohne auf lokale Waldinventuren angewiesen zu sein. Für die Auswertung wurden GEDI-Beobachtungen mit der amtlichen chinesischen Schutzgebiets-Datenbank und dem nationalen Forstinventur-System verschnitten.

Um den Effekt des Schutzes vom Einfluss anderer Standortfaktoren zu trennen, verglichen die Forschenden geschützte Waldflächen mit ungeschützten Referenzflächen, die nach Klima, Höhenlage und Bodentyp möglichst ähnlich waren. Für die Zukunftsprojektionen kombinierten sie die aktuellen GEDI-Daten mit Klimaszenarien aus dem CMIP6-Modellvergleich, insbesondere dem Szenario SSP5-8.5, das einen ungebremsten Anstieg der Treibhausgasemissionen annimmt. Sieben Schutzgebietskategorien wurden separat ausgewertet, von Nationalparks über Naturreservate bis hin zu Verwaltungszonen mit unterschiedlich strengen Eingriffsregeln.

Ergebnisse: 13 Prozent mehr Kohlenstoff, aber mit deutlichen Unterschieden

Die mittlere Kohlenstoffdichte in Wäldern innerhalb chinesischer Schutzgebiete lag bei 68,29 Megagramm Kohlenstoff pro Hektar, mit einer Standardunsicherheit von nur 0,17 Megagramm. Das entspricht etwa 13 Prozent mehr als in statistisch vergleichbaren ungeschützten Wäldern. Besonders deutlich fiel der Unterschied in den Nationalparks aus: Hier lag der Kohlenstoffvorrat im Mittel um 18,19 Megagramm pro Hektar über dem der Referenzflächen, was etwa 27 Prozent mehr entspricht. Auch in den Wäldern, die als natürlich verjüngend und gleichzeitig aktiv gemanagt klassifiziert sind, zeigte sich mit zusätzlichen 9,85 Megagramm pro Hektar ein deutlicher Schutzeffekt.

Allerdings ist der positive Effekt nicht in allen Schutzkategorien gleich stark ausgeprägt. Einige Schutzgebiete, insbesondere solche mit schwacher Durchsetzung oder Mehrfachnutzung, schnitten kaum besser ab als ungeschützte Vergleichsflächen. Die Studie identifiziert damit nicht die bloße Ausweisung als Schutzgebiet als entscheidend, sondern die Intensität und Konsequenz des Managements. Diese Differenzierung ist methodisch wichtig, weil sie zeigt, dass globale Hochrechnungen, die alle Schutzgebiete über einen Kamm scheren, das tatsächliche Kohlenstoffpotenzial systematisch unterschätzen oder überschätzen können.

Was das für die Praxis bedeutet

Die Ergebnisse liefern mehrere direkt verwertbare Hinweise für die deutsche und europäische Schutzgebietspolitik. Erstens: Die Quantifizierung zeigt, dass sich der Aufwand für effektives Schutzgebietsmanagement auch in Form messbarer Klimaschutzleistung auszahlt. Für die Argumentation gegenüber Politik und Öffentlichkeit ist es ein Unterschied, ob ein Nationalpark „Wald unter Schutz“ oder „zusätzliche 18 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar“ bedeutet. Zweitens: Die Studie unterstreicht, dass Managementqualität mehr zählt als Fläche. Die europäische Natura-2000-Diskussion könnte von einer ähnlichen Differenzierung profitieren, also einer Bewertung, wie effektiv Schutzregeln tatsächlich durchgesetzt werden, statt nur der Ausweisung an sich.

Für die Forstpraxis in Deutschland bleibt die direkte Übertragbarkeit begrenzt, weil die Schutzgebietsstrukturen in China mit ihren Nationalparks und Naturreservaten nicht eins zu eins mit hiesigen Schutzgebieten, Naturwaldreservaten oder Biosphärenreservaten vergleichbar sind. Die methodische Botschaft ist jedoch klar: Wer den Klimaeffekt von Waldschutz belegen will, braucht vergleichende Messungen und nicht nur den Status als Schutzgebiet. Drittens: Die Ergebnisse unterstreichen, dass die Kombination aus strengem Schutz und aktiver Renaturierung, also die Förderung der natürlichen Verjüngung, in den nächsten Jahrzehnten mehr Kohlenstoff sichert als jede Form der Monokultur-Aufforstung mit schnellwachsenden Baumarten.

Vertiefung: Welche Methoden überzeugen

Die Kombination aus GEDI-Laserdaten und nationaler Forstinventur gilt seit etwa drei Jahren als vielversprechendster Ansatz, um die globale Waldbiomasse unabhängig von lokalen Erhebungen zu quantifizieren. GEDI erfasst allerdings nur die oberirdische Biomasse, der unterirdische Wurzelanteil und der Totholzvorrat müssen über Standardfaktoren zugeschätzt werden. In der chinesischen Studie wurde diese Lücke durch Vergleichsdaten aus dem nationalen Forstinventur-System geschlossen, das mehr als 300.000 permanente Stichprobenpunkte umfasst. In Europa fehlt ein vergleichbar flächendeckendes Inventur-System, sodass eine direkte Übertragung der Methodik hier noch zusätzliche Boden- und Wurzelkartierungen erfordern würde.

Die Autorinnen und Autoren betonen zudem, dass die Schätzung von 600 Teragramm zusätzlichem Kohlenstoff bis 2100 unter dem SSP5-8.5-Szenario nur dann realistisch ist, wenn die Schutzgebiete in den kommenden Jahrzehnten tatsächlich konsequent gemanagt werden. Bei nachlassendem Vollzug würde der Effekt entsprechend schrumpfen. Diese Einschränkung ist methodisch sauber, in der politischen Kommunikation aber oft unterbelichtet.

Limitations und offene Fragen

Die Studie konzentriert sich auf China und ist damit nicht ohne weiteres auf andere Weltregionen übertragbar, weil die Landnutzungsgeschichte, die Schutzgebietsstrukturen und das Klima sich deutlich unterscheiden. Auch die zeitliche Dimension ist begrenzt: Die GEDI-Daten decken nur wenige Jahre ab, sodass langfristige Trends im Kohlenstoffaufbau aus dieser Studie allein nicht abgeleitet werden können. Schließlich ist die Annahme eines strengen Managements über die nächsten 75 Jahre eine optimistische Setzung. Offen bleibt, wie sich verändernde Rahmenbedingungen, etwa zunehmende Extremwetterereignisse, Waldbrände und Schädlingskalamitäten, auf die geschützten Bestände auswirken. Hier ist weitere Forschung nötig, die GEDI-Daten mit langfristigen Inventurdaten und Klimafolgenmodellen kombiniert.


Quelle: Nature Communications, 2026. Enhanced forest carbon gains from stronger protection in China’s protected areas. DOI: 10.1038/s41467-026-69505-x


Dieser Artikel wurde mit Hilfe von KI erstellt und dient der allgemeinen Information. Keine Rechts- oder Beratungsempfehlung.