Simulation zeigt: Mitteleuropas Wälder vor fundamentaler Transformation

Simulation zeigt: Mitteleuropas Wälder vor fundamentaler Transformation

Die Klimakrise erfasst alle Lebensbereiche – doch kaum eine Branche spürt ihre Auswirkungen so unmittelbar wie die Forstwirtschaft. Wenn die Temperaturen steigen, die Niederschläge unvorhersehbar werden und Schädlinge wie der Borkenkäfer ganze Wälder kahlfressen, stehen Waldeigentümer und Förster vor existenziellen Fragen: Wie sieht mein Wald in 30, 50 oder 80 Jahren aus? Welche Baumarten werden noch überleben? Und lohnt es sich überhaupt, in Aufforstung zu investieren? Eine neue Simulationsstudie liefert jetzt erstmals umfassende Antworten für ganz Mitteleuropa.

Das wurde untersucht: Wissenschaftler modellierten die Entwicklung der Waldressourcen in fünf Ländern – Deutschland, Tschechien, Slowakei, Österreich und Slowenien – über einen Zeitraum von 80 Jahren, von 2020 bis 2100. Die Simulation umfasste insgesamt 19,4 Millionen Hektar Wald und integrierte Klimaprojektionen, Störungsdynamiken wie Stürme und Insektenbefall sowie verschiedene Bewirtschaftungsszenarien. Gearbeitet wurde mit realistischen Klimamodellen und historischen Daten zu Waldbränden, Windwürfen und Borkenkäferkalamitäten der vergangenen Jahrzehnte.

Das fanden die Forscher heraus: Die Ergebnisse sind ernüchternd, aber nicht hoffnungslos. Unter einem hohen Emissionsszenario könnten fichtendominierte Wälder in tiefen Lagen bis 2050 bis zu 40 Prozent ihrer Produktivität verlieren. Trockenstress und Borkenkäferbefall werden insbesondere unterhalb von 800 Höhenmetern drastisch zunehmen. Eichen- und Buchenwälder zeigen sich hingegen deutlich resilienter – ihre Produktivität bleibt stabil oder nimmt sogar zu, da sie von den veränderten Bedingungen profitieren könnten. Besonders wichtig: Szenarien mit proaktiver Waldtransformation hin zu klimaresilienten Baumartenmischungen erzielen 15 bis 25 Prozent bessere wirtschaftliche Ergebnisse als passive Ansätze, die abwarten und reagieren.

Was das für die Praxis bedeutet: Die Studie ist ein Weckruf für die Forstwirtschaft – aber auch ein Fahrplan für die Zukunft. Wer jetzt in die Umwandlung seiner Wälder investiert, kann Verluste deutlich reduzieren und langfristig wirtschaftlich stabile Verhältnisse sichern. Die Botschaft der Forscher ist klar: Langfristiges Denken über Zeiträume von 50 bis 80 Jahren ist unverzichtbar, wenn mitteleuropäische Wälder den Klimawandel überstehen sollen. Förster und Waldbesitzer müssen heute die Weichen stellen, die über die Lebenszeit ihrer Kinder und Enkel entscheiden.

Quelle: Journal of Environmental Management (2026) – DOI: 10.1016/j.jenvman.2026.129713