Stadtbäume unter Pilzbefall: Klimawandel begünstigt Pathogene in urbanen Wäldern
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Einleitung: Warum Stadtbäume immer stärker unter Krankheiten leiden

Städte weltweit investieren erhebliche Mittel in ihre urbanen Wälder und Stadtbäume — nicht nur aus ästhetischen Gründen, sondern wegen der messbaren Ökosystemleistungen: Kühlung, Luftreinigung, Regenwassermanagement und Lebensqualität. Doch gerade diese Bäume stehen unter enormem Stress: Hitzeinseln, Versiegelung, eingeschränkte Wurzelräume und zunehmende Trockenheit durch den Klimawandel machen sie anfälliger für Krankheiten. Besonders Pilzpathogene der Familie Botryosphaeriaceae haben in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen — sie befallen geschwächte Bäume und verursachen typische Symptoms wie Rindennekrosen, Triebsterben und K crown thinning.

Eine Forschungsgruppe um Darin et al. (2026) hat nun erstmals in einer dreijährigen Studie (2011–2013) am Parco Nord Milano systematisch untersucht, wie sich Durchforstungseingriffe auf die Dynamik dieser Pilzpathogene in geschädigten Beständen auswirken. Die zentrale Frage: Können waldbauliche Maßnahmen wie Entnahme kranker Bäume die Pathogenlast reduzieren und die verbleibenden Bäume schützen?

So wurde geforscht

Das Studygebiet war der Parco Nord Milano, ein suburbaner Wald im Großraum Mailand mit typischen Problemen städtischer Wälder. Die Forscher untersuchten drei Jahre lang (2011–2013) insgesamt 39_plotweise angelegte Probeflächen, wobei sie systematisch Bäume mit Krankheitssymptomen beprobt haben. Insgesamt wurden 212 pilzisolate aus symptomatischen Bäumen der Gattungen Acer, Robinia und Quercus gewonnen und molekularbiologisch (PCR-Sequenzierung der ITS-Region) bis zur Art bestimmt.

Zusätzlich wurde in einem Teil der Flächen eine Durchforstungsmaßnahme durchgeführt: erkrankte und absterbende Bäume wurden entnommen, um die Bestandsgesundheit zu verbessern. Der Vergleich zwischen durchforsteten und unbehandelten Kontrollflächen ermöglichte es, den Effekt der Maßnahme auf die Pathogenentwicklung zu quantifizieren.

Die wichtigsten Ergebnisse

1. Hohe Pathogendiversität: Insgesamt wurden 15 verschiedene Arten der Botryosphaeriaceae identifiziert, darunter Diplodia seriata, Neofusicoccum parvum und Botryosphaeria dothidea. Die meisten davon sind als Schwächeparasiten bekannt — sie infizieren primär vorgeschädigte oder gestresste Bäume.

2. Durchforstung reduziert Pathogendruck messbar: In den durchforsteten Flächen war die Neuansteckungsrate um 31% niedriger als in den Kontrollflächen. Offenbar entfernt die rechtzeitige Entnahme befallener Bäume eine wichtige Infektionsquelle für die verbleibenden Bäume.

3. Klimatischer Stress verstärkt Pathogenbefall: Die Studie dokumentierte einen klaren Zusammenhang zwischen Trockenperioden im Sommer und einem Anstieg der Neoinfektionen im darauffolgenden Jahr. Bäume, die bereits Wasserstress hatten, wurden signifikant häufiger von den Pilzen besiedelt.

4. Baumartenspezifische Anfälligkeit: Acer-Arten (Bergahorn, Spitzahorn) zeigten die höchsten Befallsraten (47% der probierten Bäume), während Quercus-Arten (Eichen) mit 28% deutlich weniger betroffen waren. Robinia pseudoacacia (Robinie) lag dazwischen bei 34%.

Was das für die Praxis bedeutet

Die Ergebnisse liefern eine klare Handlungsempfehlung für Stadtbaumschützer und Forstwirte: Rechtzeitige Durchforstung ist kein rein waldbaulicher Eingriff, sondern eine phytosanitäre Maßnahme mit messbarem Effekt auf die Pathogenreduktion. Gerade in Zeiten des Klimawandels, wo Trockenstress die Bäume signifikant schwächt, sollte die Entnahme stark befallener Bäume nicht hinausgezögert werden.

Konkret empfehlen die Autoren: Wer einen Bestand mit beginnendem Pathogenbefall hat, sollte nicht abwarten, sondern sofort reagieren und befallene Bäume aus dem Bestand nehmen. Die Frage „Entnahme ja oder nein?“ entscheidet sich nicht primär am Holzwert, sondern an der Bestandgesundheit. Für Städte bedeutet das: Das Budget für Baumpflege muss auch Durchforstung/Dürre-Management umfassen — nicht nur Notfallbaumschnitt.

Limitations & offene Fragen

Die Studie wurde in einem spezifischen urbanen Wald (Mailand) durchgeführt — die Übertragbarkeit auf andere Klimazonen oder Baumartenzusammensetzungen ist nicht automatisch gegeben. Zudem umfasste die Untersuchung nur drei Jahre; langfristige Effekte der Durchforstung auf die Pathogendynamik über Jahrzehnte sind noch unbeklar. Schließlich wurden nur Botryosphaeriaceae untersucht; wie sich andere Pathogene (z.B. Phytophthora, Hallimasch) verhalten, bleibt offen.

Quelle: Darin et al. (2026): Pathogenic Species of Botryosphaeriaceae Involved in Tree Dieback in an Urban Forest Affected by Climate Change. Pathogens 15(2):155. DOI: 10.3390/pathogens15020155


Dieser Artikel wurde mit Hilfe von KI erstellt und dient der allgemeinen Information. Keine Rechts- oder Beratungsempfehlung.