Wenn der Boden trocknet, leidet auch der Pilz: Was die Dougl

Die Douglasie hat sich in den vergangenen Jahrzehnten in Mitteleuropa als Hoffnungsträger für den Waldumbau etabliert. Sie wächst schnell, liefert wertvolles Holz und gilt als vergleichsweise trockenheitstolerant. Doch unter ihrer Rinde und zwischen ihren Wurzeln lebt ein Netzwerk, das mindestens ebenso sehr über das Wachstum eines Baumes mitentscheidet wie Klima und Boden: die Gemeinschaft der Ektomykorrhiza-Pilze. Eine neue Studie aus British Columbia hat nun systematisch untersucht, wie dieser unsichtbare Partner auf zunehmende Sommertrockenheit reagiert – und die Befunde sind auch für deutsche Forstpraktiker relevant.

Hintergrund

Douglasienwälder im Süden British Columbias sind seit jeher mit Sommerdürre konfrontiert. Mit dem Klimawandel nehmen die klimatischen Wasserdefizite in dieser Region jedoch spürbar zu. Für die Forschenden der University of British Columbia stand war die Frage im Raum, ob die pilzlichen Partner der Bäume diese Verschärfung mittragen können oder ob mit steigendem Trockenstress ein Verlust an Pilzarten zu erwarten ist, der die funktionelle Stabilität der Wälder gefährdet.

Methodik

Das Team kombinierte einen raum-für-zeit-Ansatz mit detaillierten Aufnahmen der Pilzgemeinschaften. In küstennahen und binnenländischen Douglasien-Altbeständen auf trockenen und mesischen Standorten entnahmen die Forscherinnen und Forscher Bodenproben und erfassten gleichzeitig die oberirdisch sichtbaren Fruchtkörper. Mittels DNA-Sequenzierung identifizierten sie die Ektomykorrhiza-Arten und vergelichen Artenspektrum, Dominanzverhältnisse und Erkundungstypen zwischen den Standorttypen.

Ergebnisse

Die küstennahen Bestände mit einem klimatischen Wasserdefizit von rund 330 Millimetern beherbergten im Durchschnitt 95 verschiedene Ektomykorrhiza-Arten, die binnenländischen Trockenstandorte mit einem Wasserdefizit von etwa 402 Millimetern dagegen nur 53 Arten. Dieser erhebliche Unterschied spiegelte sich auch in der oberirdischen Fruchtkörperbildung wider. Mit zunehmender Trockenheit verschob sich die Zusammensetzung der Lebensgemeinschaft: In den binnenländischen Beständen dominierten Pionierpilze wie Wilcoxina, Rhizopogon und Suillus, die sonst eher für junge Waldstadien typisch sind. Diese Pilze machen dort im Mittel 68 Prozent der gelesenen DNA-Sequenzen aus. Auffällig war weiterhin, dass im Binnenland Ascomyceten und sogenäte-Langstrecken-Erkundungstypen häufiger vorkamen als an der Küste.

Nur die küstennahen Bestände zeigten einen klaren Artenrückgang beim Vergleich trockener und mesischer Standorte, während die binnenländischen Pilzgemeinschaften trotz ihrer Artenarmut überraschend stabil blieben. Die Forschenden deuten dies so, dass die küstennahen Lebensgemeinschaften empfindlicher auf eine weitere Austrocknung reagieren werden, während die binnenländischen Trockenstandorte bereits eine Artengemeinschaft beherbergen, die der zukünftigen klimatischen Situation näher kommt.

Praxisrelevanz

Für die Forstpraxis in Deutschland liefert die Studie mehrere Anknüpfungspunkte. Douglasien, die in den letzten Jahren verstärkt in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen angebaut wurden, sind auf eine intakte Mykorrhiza angewiesen. Wenn sich die Erkenntnisse aus Kanada auf mitteleuropäische Verhältnisse übertragen lassen, wäre zu erwarten, dass die Artengemeinschaft der Pilze an trockenen Douglasien-Standorten mit den Jahren artenärmer wird, während die verbleibenden Pionierpilze zunächst eine gewisse funktionelle Stabilität sichern. Für die Bestandesbegründung hieße das, auf frischen bis mäßig trockenen Standorten zu pflanzen und sehr trockene, südexponierte Hanglagen weiterhin der heimischen Kiefer oder der Traubeneiche zu überlassen.

Eine zweite Überlegung betrifft die Bodenpflege. Vollumbruch und Bodenverdichtung schädigen die empfindlichen Mykorrhiza-Netze stärker als schonende Verfahren wie motormanuelle Pflanzung oder die Verwendung von Großlochverfahren. Wo Douglasien auf ehemaligen landwirtschaftlichen Flächen angebaut werden, die ohnehin eine gestörte Bodenbiologie aufweisen, sollte eine Impfung mit standortangepasstem Mykorrhiza-Material erwogen werden, um den Jungwuchs nicht zusätzlich zu belasten.

Für Bestandespflege und Jungwuchspflege in Douglasien-Anbauten bedeutet dies, die Konkurrenzflora nicht vollständig zu entfernen. Eine mäßige Kraut- und Strauchschicht kann das Mikroklima am Boden puffern, die Bodentemperaturen senken und damit den Mykorrhiza-Pilzen günstigere Bedingungen bieten. Vollständige Freistellung auf trockenen Standorten hingegen kann die oberflächliche Austrocknung des Wurzelraums verstärken und die empfindlichen Pilzpartner zusätzlich unter Druck setzen. Die Empfehlung, auf trockenen Douglasien-Standorten grundsätzlich dichter zu begründen, folgt nicht nur waldbaulichen, sondern auch mikrobiologischen Erwägungen.

Schließlich eröffnet die Studie auch einen Blick auf die Frage der Herkunftswahl. Wenn Douglasien aus kontinental-trockenen Provenienzen künftig in Deutschland angebaut werden sollen, wäre zu prüfen, ob ihre Wurzelsysteme auch unter mitteleuropäischen Bodenverhältnissen die passenden Pilzpartner rekrutieren können. Eine aktive Impfung mit Mykorrhiza-Material aus trockenen Herkunftsgebieten wäre ein denkbarer, aber bislang kaum erforschter Ansatz.

Vertiefung

Die Studie reiht sich ein in eine wachsende Zahl von Untersuchungen, die zeigen, dass unterirdische Biodiversität und oberirdische Waldfunktionen eng verzahnt sind. Ektomykorrhiza-Pilze versorgen ihre Wirtsbäume nicht nur mit Wasser und Nährstoffen, sie vermitteln auch Stresssignale und schaffeln über gemeinsame Hyphennetze Verbindungen zwischen Bäumen verschiedener Arten. Ein Verlust an Vielfalt bedeutet daher nicht nur eine abstrakte Gefahr, sondern kann konkret das Wachstum und die Widerstandskraft ganzer Bestände schwächen.

Im Kontext der Diskussion um klimastabile Mischwälder lohnt sich der Blick auf die Douglasie als mögliche Beimischung in Fichten-Tannen-Buchen-Wäldern. Ihre vergleichsweise hohe Trockenheitstoleranz ist ohne ihre pilzlichen Partner nicht zu haben. Forstliche Forschung und Praxis in Mitteleuropa sollten die Frage, welche die ichEktomykorrhiza-Gemeinschaften sich unter zukünftigen Klimabedingungen an Douglasien-Standorten etablieren werden, daher stärker in den Blick nehmen.

Ausblick

Für die mitteleuropäische Forstforschung ergibt sich aus dieser kanadischen Studie ein klarer Forschungsbedarf. Vergleichende Erhebungen an Douglasien-Anbauten in Süddeutschland, dem Bayerischen Wald oder dem Schwarzwald könnten zeigen, welche der hier beobachteten Muster sich auch unter unseren Bedingungen wiederfinden. Insbesondere die Rolle von Pionierpilzen wie Suillus und Rhizopogon, die in den kanadischen Trockenstandorten dominierten, ist bislang für deutsche Douglasien-Standorte kaum systematisch untersucht. Eine standortsbezogene Kartierung der Ektomykorrhiza-Gemeinschaften, kombiniert mit langfristigen Wachstumsdaten, würde Forstpraktikern ein wertvolles Werkzeug an die Hand geben, um die Anbauwürdigkeit der Douglasie unter sich verändernden Klimabedingungen besser einschätzen zu können.

Limitations und offene Fragen

Die Übertragbarkeit der Ergebnisse aus British Columbia auf mitteleuropäische Douglasien-Anbauten ist nicht ohne Einschränkungen gegeben. Kanadische Bestände sind oft über 200 Jahre alt, während deutsche Douglasien-Anbauten selten älter als 60 Jahre sind. Auch sind die Böden in den untersuchten Regionen nicht ohne weiteres mit den oft skelettreichen Buntsandstein- oder Granitverwitterungsböden in Deutschland vergleichbar. Die raum-für-zeit-Substitution erlaubt zudem nur Aussagen über kurzfristige Anpassungen, nicht über langfristige evolutionäre Veränderungen. Schließlich fehlt in der Studie eine funktionelle Charakterisierung der nachgewiesenen Pilzarten: Welche ökologischen Rollen die Pionierpilze unter Douglasie genau spielen und ob sie die Funktionen artenreicher Gemeinschaften gleichwertig übernehmen können, bleibt offen.

Quelle: Pither J. et al. (2026): A space-for-time assessment of drought vulnerability for ectomycorrhizal fungi of seasonally dry, old-growth Pseudotsuga menziesii ecosystems. Mycorrhiza. DOI: 10.1007/s00572-026-01307-x

Quelle: A space-for-time assessment of drought vulnerability for ectomycorrhizal fungi of seasonally dry, old-growth Pseudotsuga menziesii ecosystems.. Mycorrhiza (2026). DOI: 10.1007/s00572-026-01307-x

Dieser Artikel wurde mit Hilfe von KI erstellt und vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft. Inhaltliche Grundlage ist die genannte Originalstudie; Formulierungen wurden automatisiert aufbereitet.